Grauer Star · Premiumlinse

Im Bild erklärt

Astigmatismus: ein entlang einer Achse verzerrtes Sehen

Astigmatismus verzerrt das Sehen entlang einer Achse. Die torische Linse, die bei der Operation des Grauen Stars eingesetzt wird, korrigiert diese Achse, um die Verzerrung des Bildes zu beseitigen.

Torische Linse: Korrektur des Astigmatismus bei der Operation des Grauen Stars

Wenn bei Ihnen ein bedeutsamer Hornhautastigmatismus besteht, ist die Operation des Grauen Stars die ideale Gelegenheit, diesen Fehler im selben Eingriff mitzukorrigieren – mit einer torischen Intraokularlinse. In einem einzigen Eingriff wird die getrübte Augenlinse ersetzt und Ihr Astigmatismus korrigiert. Funktionsweise, Kandidaten, Ausführungen und erwartete Ergebnisse: was Sie wissen sollten.

Was ist Astigmatismus, und warum erschwert er die Behandlung des Grauen Stars

Der Hornhautastigmatismus entspricht einer Unregelmäßigkeit der Hornhautkrümmung: Statt vollkommen kugelförmig zu sein, nimmt die Hornhaut eine Form an, die einem Rugbyball ähnelt, mit einem kürzeren Radius im einen und einem längeren im anderen Meridian. Die Folge: Die Lichtstrahlen, die die Hornhaut durchqueren, bündeln sich nicht in einem einzigen Punkt, sondern auf zwei getrennten Brennlinien. Das Sehen wird auf allen Entfernungen unscharf und doppelt, selbst bei einwandfreier Akkommodation.

Vor der Operation haben Sie diesen Astigmatismus mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen mit Zylinder ausgeglichen. Bei einer Operation des Grauen Stars ohne torische Linse wird nur die Augenlinse ersetzt – der Hornhautastigmatismus dagegen bleibt nach dem Eingriff bestehen. Sie müssten weiterhin eine Korrekturbrille mit Zylinder tragen, auch für die Ferne. Die torische Linse löst dieses Problem, indem sie die Zylinderkorrektur in die Linse selbst integriert.

Kurz gesagt

Die torische Linse wird ein einziges Mal eingesetzt und korrigiert Grauen Star und Hornhautastigmatismus zugleich, in einem einzigen Eingriff. Ohne torische Linse bleibt der Astigmatismus nach der Operation bestehen und erfordert eine Brille.

Wie eine torische Linse funktioniert

Eine torische Linse trägt zusätzlich zu ihrer sphärischen Brechkraft eine ausgerichtete Zylinderkorrektur. Die optische Oberfläche der Linse besitzt zwei Meridiane unterschiedlicher Brechkraft, die die beiden unregelmäßigen Hornhautmeridiane ausgleichen. Damit die Korrektur wirkt, muss die Linse im Kapselsack präzise ausgerichtet werden, und zwar entlang der präoperativ gemessenen Astigmatismusachse.

Diese Ausrichtung entscheidet über das Ergebnis: Eine Abweichung von 10° verringert die Korrekturwirkung um rund 33 %; eine Abweichung von 30° hebt den Nutzen vollständig auf. Jedes Grad zählt. Daher die Bedeutung der präoperativen Hornhautmarkierung und der intraoperativen Kontrolle unter dem Mikroskop. Brechkraft und Ausrichtung der Linse werden maßgeschneidert berechnet, um den von der Hornhaut ausgehenden Astigmatismus auszugleichen; die Korrektur kompensiert dabei exakt die unregelmäßige Krümmung der Hornhaut.

Die Ausführungen der torischen Linse

  • Monofokale torische Linse – korrigiert Astigmatismus und Grauen Star, scharfes Sehen auf einer einzigen Entfernung (meist die Ferne). Für die Nähe bleibt eine Lesebrille nötig. Das ist die Grundvariante, die am besten untersuchte und am besten vorhersehbare.
  • Torische EDOF-Linse – etwa Vivity Toric, TECNIS Symfony Toric, AT LARA Toric. Ergänzt die torische Korrektur um die erweiterte Schärfentiefe. Scharfes Sehen von der Ferne bis in den Intermediärbereich (Armaturenbrett, Computer), mit sehr wenigen nächtlichen Halos. Näheres: EDOF-Linse.
  • Torische Multifokallinse – etwa AcrySof IQ Restor Toric, FineVision Toric, PanOptix Toric. Verbindet die Astigmatismuskorrektur mit vollständiger Multifokalität (Ferne + Intermediär + Nähe). Größtmögliche Brillenunabhängigkeit, im Gegenzug stärker ausgeprägte nächtliche Halos. Näheres: Multifokallinse.

Die Wahl der torischen Ausführung wird in der Sprechstunde getroffen, je nach Ihrem gewünschten Grad an Brillenunabhängigkeit und Ihrer Verträglichkeit gegenüber Dysphotopsien.

Wer eignet sich für eine torische Linse

  • Hornhautastigmatismus ≥ 1 Dioptrie – die übliche Wirksamkeitsschwelle. Unterhalb von 0,75 D ist der klinische Nutzen gering. Zwischen 0,75 und 1 D wird die Indikation von Fall zu Fall besprochen.
  • Regulärer Hornhautastigmatismus – mit der Topographie gemessen und bestätigt. Ein irregulärer Astigmatismus (Keratokonus, Hornhaut nach einer Verletzung) spricht gegen die torische Linse, denn deren Korrektur gleicht nur die reguläre Achse aus.
  • Günstige Biometrie – normale Vorderkammertiefe, intakter Kapselsack, stabile Zonulafasern. Die anatomischen Faktoren werden bei der präoperativen Untersuchung überprüft.
  • Gut informierte Erwartungen – Ihnen ist klar, dass die torische Linse Ihren Astigmatismus korrigiert, aber nicht jeden Brillenbedarf ersetzt, sofern Sie sich nicht für eine torische multifokale Ausführung entscheiden.

Einen Erfahrungsbericht einer Patientin mit ausgeprägtem Grauem Star und Astigmatismus finden Sie im Beitrag Astigmatismus und Grauer Star: Erfahrungsbericht zur torischen Linse.

Alltagsprofile, zu denen sie passt

  • Präzisionsberufe – Zahnärzte, Uhrmacher, Chirurgen, Elektroniker: Ein unkorrigierter Astigmatismus bleibt selbst mit starken Brillengläsern eine spürbare Einschränkung. Die torische Linse macht scharfes Sehen ohne Brille auf der gewählten Entfernung möglich.
  • Nachtfahrer – Lkw-Fahrer, Taxifahrer, Chauffeure im Nachtdienst: Astigmatismus verstärkt die Halos um die Scheinwerfer. Die monofokale torische Linse ist hier oft besser geeignet als die multifokalen Ausführungen (weniger zusätzliche Halos).
  • Sportler im Freien – Radfahren, Laufen, Segeln, Golf: Das bei körperlicher Anstrengung unpraktische Brillentragen entfällt.
  • Vielleser – hier ist einer torischen EDOF- oder Multifokallinse der Vorzug zu geben, wenn Unabhängigkeit beim Lesen wirklich zählt.

Torisch gegenüber monofokal + Zylinderbrille

Viele Patienten zögern: Warum in eine torische Linse investieren, wenn man nach einer monofokalen Standardlinse einfach weiter eine Brille tragen kann? Drei konkrete Argumente geben den Ausschlag:

  • Sehqualität ohne Korrektur – ohne Brille sieht ein Auge, das mit einer monofokalen Standardlinse operiert wurde und einen Restastigmatismus behält, auf allen Entfernungen unscharf. Die torische Linse liefert ein scharfes Sehen ohne Brille auf der gewählten Entfernung.
  • Dauerhaftigkeit des Ergebnisses – die torische Linse bleibt lebenslang an ihrem Platz. Brillen gehen kaputt, gehen verloren, passen mit der Zeit nicht mehr und kosten bei jedem Wechsel Geld.
  • Komfort im Alltag – Bewegungsfreiheit beim Sport, am Strand, im Schwimmbad, unter der Dusche, in der Nacht. Funktionsfähiges Sehen ohne Hilfsmittel.

Letztlich hängt die Wahl von der Höhe Ihres Astigmatismus, von Ihrem Budget und von Ihrem persönlichen Verhältnis zur Brille ab.

Der besondere Ablauf der torischen Operation

Die Operation mit einer torischen Linse findet in der Clinique Sainte-Geneviève statt, wie jede Operation des Grauen Stars, umfasst aber drei zusätzliche besondere Schritte:

Protokoll von Dr. Tourabaly

Präoperative Hornhautmarkierung an der Spaltlampe (Patient sitzend, Markierungen bei 3 und 9 Uhr, um die passive Zyklotorsion zwischen sitzender und liegender Position auszugleichen), präzise intraoperative Ausrichtung auf die Astigmatismusachse, Kontrolle der stabilen Linsenposition am Ende des Eingriffs.

  • Präoperative Hornhautmarkierung – im Sitzen, an der Spaltlampe, unmittelbar vor dem Eingriff. Zwei Markierungspunkte werden bei 3 und 9 Uhr auf die Hornhaut gesetzt. Dieser Schritt gleicht die passive Zyklotorsion aus, der das Auge unterliegt, wenn Sie aus dem Sitzen in die liegende Position wechseln.
  • Intraoperative Ausrichtung – sobald die Linse in den Kapselsack eingebracht ist, richte ich sie genau auf die von der Biometrie berechnete Astigmatismusachse aus und nehme dabei die gesetzten Markierungen zum Bezug. Die angestrebte Genauigkeit liegt unter 5°.
  • Abschließende Prüfung – Kontrolle, dass die Linse gut zentriert, ausgerichtet und stabil ist, bevor der Eingriff beendet wird.

Der übrige Eingriff (Phakoemulsifikation, Asepsis, topische Anästhesie) folgt demselben Ablauf wie eine Standardoperation – siehe vollständiger Ablauf in Sainte-Geneviève.

Erwartete Ergebnisse

Die klinischen Studien zu modernen torischen Linsen (AcrySof IQ Toric, TECNIS Toric, AT LARA Toric) berichten übereinstimmend:

  • Unkorrigierter Fernvisus ≥ 0,8 bei 80 bis 90 % der Patienten 3 Monate nach der Operation.
  • Restastigmatismus ≤ 0,5 D bei der Mehrheit der Patienten, die mit genauer Biometrie sachgerecht operiert wurden.
  • Rotationsstabilität – die mittlere Rotation der Linse im Kapselsack bleibt langfristig unter 5°; bei weniger als 3 % der Patienten ist ein Zweiteingriff wegen übermäßiger Rotation nötig.

Zahl im Fokus

Die Wirksamkeitsschwelle der torischen Linse liegt bei ≥ 1 Dioptrie regulärem Hornhautastigmatismus. Unterhalb dieses Wertes bleibt der klinische Nutzen gering.

Besondere Risiken

Die allgemeinen Risiken der Operation des Grauen Stars gelten unverändert (Endophthalmitis, zystoides Makulaödem, Netzhautablösung – ausführlich auf der Seite Operation). Die torische Linse fügt zwei besondere, seltene Risiken hinzu:

  • Nachträgliche Rotation der Linse im Kapselsack, in den Wochen nach dem Einsetzen. Weniger als 3 % der Patienten. Moderne Materialien (hydrophobes Acryl, hydrophiles Acryl mit stabilen Haptiken) und die neueren Plattformen halten dieses Risiko gering.
  • Rotation > 10° mit spürbarer Auswirkung auf das Sehen – Anlass für einen Zweiteingriff zur Neupositionierung, ein einfacher Eingriff unter topischer Anästhesie. Diese Situation bleibt eine Ausnahme.

Kosten und Erstattung

Der chirurgische Eingriff und die Anästhesiesprechstunde werden vollständig von der Assurance Maladie (französische gesetzliche Krankenversicherung) übernommen, wie bei jedem Grauen Star. Der besondere Aufpreis für die torische Linse ist von der Assurance Maladie nicht gedeckt: Es fällt ein Eigenanteil an, der je nach Linsenmodell unterschiedlich ausfällt (monofokal torisch, EDOF torisch, multifokal torisch). Manche Mutuelles (private Zusatzversicherungen) mit hohem Leistungsumfang übernehmen einen Teil dieses Aufpreises.

Ein detaillierter Kostenvoranschlag wird Ihnen von meiner Assistentin vor jeder Entscheidung ausgehändigt. Alle genauen Zahlen sind auf Kosten bei Grauem Star zusammengefasst.

Häufige Fragen zur torischen Linse

In diesem Fall genügt eine monofokale Standardlinse: Sie tragen weiterhin eine Brille mit Zylinderkorrektur, wie zuvor. Die torische Linse ist nur dann gerechtfertigt, wenn Sie trotz Ihres Astigmatismus ohne Brille in die Ferne sehen möchten.

Die übliche Wirksamkeitsschwelle liegt bei 1 Dioptrie regulärem Hornhautastigmatismus. Unterhalb von 0,75 D bleibt der Nutzen gering. Die Hornhauttopographie, die bei der präoperativen Untersuchung durchgeführt wird, klärt die Frage genau.

Die monofokale Standardlinse wird vollständig erstattet. Bei der torischen Linse kommt ein Aufpreis hinzu, den die Assurance Maladie (französische gesetzliche Krankenversicherung) nicht übernimmt und den manche Mutuelles (private Zusatzversicherungen) teilweise decken. Der genaue Betrag hängt vom gewählten Modell ab. Transparente Angaben auf Kosten bei Grauem Star; ein persönlicher Kostenvoranschlag wird Ihnen vor der Entscheidung ausgehändigt.

Eine geringe Rotation der Linse im Kapselsack kann in den ersten Wochen auftreten. Moderne Materialien machen sie selten und gering ausgeprägt (in der großen Mehrzahl unter 5°). Überschreitet sie 10° und wirkt sich auf das Sehen aus, ist ein Zweiteingriff zur Neupositionierung möglich – eine Ausnahmesituation (weniger als 3 % der Fälle).

Ja. Die torischen EDOF-Ausführungen (Vivity Toric, TECNIS Symfony Toric) verbinden Astigmatismuskorrektur und erweiterte Schärfentiefe. Die torischen multifokalen Ausführungen (PanOptix Toric, FineVision Toric) decken Ferne + Intermediär + Nähe bei korrigiertem Astigmatismus ab. Die Seite Premiumlinsen beschreibt diese Möglichkeiten im Einzelnen.

Genauso wie bei einer Standardoperation des Grauen Stars: brauchbares Sehen nach 24 bis 48 Stunden, refraktive Stabilisierung nach 4 bis 6 Wochen. Der postoperative Verlauf folgt dem üblichen Tropfenschema (Antibiotikum + entzündungshemmendes Mittel + bei Bedarf ein Gleitmittel) über etwa 4 Wochen.

Voruntersuchung bei Grauem Star mit Hornhauttopographie

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Quellen

  • Kessel L, Andresen J, Tendal B, et al. Toric intraocular lenses in the correction of astigmatism during cataract surgery: a systematic review and meta-analysis. Ophthalmology. 2016;123(2):275-286. PMID 26601819. Referenz-Metaanalyse zur Wirksamkeit der torischen gegenüber der monofokalen Linse bei Hornhautastigmatismus.
  • Visser N, Bauer NJ, Nuijts RM. Toric intraocular lenses: historical overview, patient selection, IOL calculation, surgical techniques, clinical outcomes, and complications. J Cataract Refract Surg. 2013;39(4):624-637. PMID 23522584.
  • Schallhorn JM, Pantanelli SM, Lin CC, et al. Multifocal and accommodating intraocular lenses for the treatment of presbyopia: a report by the American Academy of Ophthalmology. Ophthalmology. 2021;128(10):1469-1482. PMID 33741376. Übersichtsarbeit zu Premiumlinsen (einschließlich torischer Multifokallinsen).
  • Haute Autorité de Santé (französische Gesundheitsbehörde). Chirurgie de la cataracte chez l’adulte : recommandations de bonne pratique (Chirurgie des Grauen Stars beim Erwachsenen: Leitlinie zur guten Praxis). HAS, 2018 (Aktualisierung 2024).

Dieser Inhalt informiert über die torische Linse und ersetzt keine individuelle Sprechstunde. Die genaue Indikation und die Wahl des Modells werden nach Topographie und Biometrie besprochen.