Hornhaut — fortschreitende Erkrankung

Keratokonus: Diagnostik und Behandlung

Der Keratokonus ist eine fortschreitende Verformung der Hornhaut, die meist im Jugendalter oder beim jungen Erwachsenen auftritt. Früh erkannt, lässt er sich heute durch Crosslinking stabilisieren und mit mehreren, dem Stadium angepassten Verfahren korrigieren. Hier finden Sie den gesamten Behandlungsweg, von der Früherkennung bis zur Hornhauttransplantation, falls sie nötig wird.

Was ist ein Keratokonus?

Der Keratokonus ist eine fortschreitende Erkrankung der Hornhaut: Sie wird dünner und verformt sich kegelförmig, woher der Name stammt. Diese Verformung stört den Durchtritt der Lichtstrahlen und führt zu einem irregulären Astigmatismus, einer fortschreitenden Kurzsichtigkeit und in fortgeschrittenen Stadien zu unscharfem Sehen, das sich mit einer gewöhnlichen Brille nicht mehr korrigieren lässt.

Die Erkrankung betrifft typischerweise Jugendliche oder junge Erwachsene (zwischen 15 und 30 Jahren), mit der stärksten Progression in den ersten Jahren und einer anschließenden allmählichen Verlangsamung. Der Keratokonus tritt in der Mehrzahl der Fälle beidseitig auf, oft jedoch asymmetrisch: Ein Auge ist stärker betroffen als das andere. Seine Prävalenz wird nach neueren Studien auf 1 Fall auf 2000 bis 1 Fall auf 400 geschätzt, wobei die Häufigkeit dank der verbesserten topographischen Früherkennung offenbar höher liegt.

Ohne Behandlung kann ein fortschreitender Keratokonus zu einer schweren Sehverschlechterung und in fortgeschrittenen Formen zur Notwendigkeit einer Hornhauttransplantation führen. Die gute Nachricht: Der Behandlungsweg hat sich seit 2003 mit dem Aufkommen des Crosslinkings grundlegend verändert; es erlaubt in der Mehrzahl der Fälle, die Erkrankung zu stabilisieren, bevor sie dieses Stadium erreicht.

Anschaulich erklärt

Keratokonus: Die Hornhaut wölbt sich kegelförmig vor

Beim Keratokonus wird die Hornhaut dünner und wölbt sich kegelförmig vor, wodurch die Bilder verzerrt werden. Eine Hornhauttopographie ermöglicht die frühe Erkennung und die Kontrolle des Verlaufs.

Frau reibt sich das Auge: Augenreiben ist der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor des Keratokonus
Wiederholtes Reiben der Augen ist der am umfassendsten dokumentierte beeinflussbare Risikofaktor des Keratokonus.

Symptome und Warnzeichen

Die Symptome entwickeln sich mit dem Stadium der Erkrankung. In beginnenden Formen bemerkt der Patient möglicherweise nur:

  • Eine allmähliche Sehverschlechterung, die sich mit der Brille immer schlechter korrigieren lässt
  • Häufige Änderungen der Korrektur beim Augenarzt (instabile Verordnungen)
  • Einen rasch und ungewöhnlich zunehmenden Astigmatismus
  • Eine verstärkte Lichtempfindlichkeit (Photophobie), Halos um Lichtquellen
  • Schwankendes, verschwommenes Sehen, mitunter mit Doppelbildern auf einem einzigen Auge (monokulare Diplopie)

In weiter fortgeschrittenen Formen lässt sich das Sehen mit einer gewöhnlichen Brille nicht mehr korrigieren. Die Patienten werden dann mit formstabilen, gasdurchlässigen Kontaktlinsen oder mit Sklerallinsen versorgt, die die unregelmäßige Hornhautoberfläche glätten und ein brauchbares Sehen wiederherstellen.

Risikofaktoren und zu überwachende Profile

Der Keratokonus entsteht multifaktoriell: genetische Veranlagung und Umweltfaktoren wirken zusammen. Die wichtigsten Punkte, die in der Sprechstunde abzuklären sind:

  • Chronisches Augenreiben — das ist der bedeutendste mechanische Faktor und zugleich der am leichtesten zu behebende. Patienten, die sich regelmäßig die Augen reiben (aus Gewohnheit, aus Müdigkeit, wegen einer Allergie), fügen der Hornhaut wiederholte Mikroverletzungen zu. Das Beenden des Reibens ist die allererste therapeutische Maßnahme, noch vor jedem Eingriff.
  • Allergische Veranlagung (Atopie) — allergischer Schnupfen, Ekzem, Asthma, chronische allergische Bindehautentzündung. Die Allergie unterhält das Reiben und die Entzündung der Augenoberfläche.
  • Familiäre Vorbelastung — ein erstgradig Verwandter mit Keratokonus erhöht das Risiko deutlich. Eine Untersuchung der Familienangehörigen wird empfohlen.
  • Trisomie 21, Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom, Down-Syndrom — in der Fachliteratur klassisch beschriebene Assoziationen.
  • Langes Tragen schlecht angepasster Kontaktlinsen — ein umstrittener Faktor, der bei chronischen Linsenträgern jedoch besondere Aufmerksamkeit rechtfertigt.

Ein junger, kurzsichtiger Patient, dessen Korrektur rasch zunimmt oder dessen Astigmatismus sich von einem Jahr zum nächsten um mehrere Dioptrien ändert, muss systematisch topographisch untersucht werden. Gerade bei diesen Profilen wird ein beginnender Keratokonus häufig entdeckt.

Die Früherkennung in der Praxis

Die Diagnose des Keratokonus stützt sich heute auf die Hornhauttopographie, die in wenigen Sekunden die Krümmung der Hornhaut kartiert und Verformungen erkennt, die bei der üblichen klinischen Untersuchung unsichtbar bleiben. In der Praxis in Cachan verwende ich den Topographen Sirius (CSO), der eine Placido-Analyse der Vorderfläche mit einer Scheimpflug-Bildgebung der Rückfläche und der Pachymetrie verbindet.

Die wichtigsten ausgewerteten Parameter

  • Maximale Keratometrie (Kmax) — Krümmungswert am stärksten vorgewölbten Punkt. Ein zunehmender Kmax ist ein Hauptkriterium für die Progression.
  • Minimale Pachymetrie — Hornhautdicke am dünnsten Punkt. Eine fortschreitende Verdünnung weist stark auf die Diagnose hin.
  • Erhöhung der Hornhautrückfläche — häufig das erste erkennbare Zeichen, noch bevor die Vorderfläche verformt ist.
  • Asymmetrieanalyse — abgeleitete Indizes (I-S-Index, BAD usw.), die den Verdacht auf einen beginnenden oder subklinischen Keratokonus quantifizieren.

Ergänzt wird die Untersuchung durch eine biomikroskopische Untersuchung an der Spaltlampe (Suche nach einem Fleischer-Ring, nach Vogt-Linien, nach narbigen Veränderungen) sowie durch eine Hornhaut-OCT, um die örtliche Pachymetrie zu analysieren und den Aufbau des Stromas zu dokumentieren. Die Kartierung der Epitheldicke, deren diagnostischer Wert bei Erkrankungen der Hornhautoberfläche in einer vergleichenden, von Dr. Tourabaly mitverfassten Studie (Cornea, 2022) untersucht wurde, verfeinert die Erkennung beginnender Formen weiter, indem sie einen charakteristischen epithelialen Umbau noch vor der Verformung der Krümmung sichtbar macht.

Wichtiger Punkt — Früherkennung vor refraktiver Chirurgie

Jeder Kandidat für eine refraktive Operation (LASIK, PRK, SMILE) erhält in der Praxis in Cachan eine systematische topographische Untersuchung auf einen Keratokonus. Ein subklinischer oder beginnender Keratokonus ist eine Gegenanzeige für den LASIK (Gefahr einer postoperativen Ektasie) und führt zu Oberflächenverfahren wie der PRK oder sogar zum Aufschub der Operation. Diese Früherkennung ist in meinem präoperativen Protokoll nicht verhandelbar.

Die Krankheitsstadien

Der Keratokonus wird klassisch nach der Klassifikation von Amsler-Krumeich eingeteilt, die Keratometrie, Refraktion, Pachymetrie und das Vorliegen narbiger Veränderungen berücksichtigt. Ohne auf die technischen Einzelheiten einzugehen, unterscheidet man in der Praxis:

  • Beginnender oder subklinischer Keratokonus — das Sehen ist noch mit Brille oder weichen Kontaktlinsen korrigierbar, die Topographie ist bereits auffällig. Das ist das ideale Stadium für einen Eingriff, wenn eine Progression bestätigt ist.
  • Mittelgradiger Keratokonus — deutlicher Astigmatismus, Sehen mit formstabilen oder Sklerallinsen korrigiert. Die Topographie zeigt eine klare Verformung.
  • Fortgeschrittener Keratokonus — ausgeprägte Verdünnung, mögliche Hornhautnarben, nachlassende Verträglichkeit von Kontaktlinsen. Die Diskussion betrifft intrakorneale Ringsegmente oder die Hornhauttransplantation.
  • Keratokonus im Endstadium — stark verdünnte Hornhaut, zentrale Narben, mitunter ein durchgemachter Hydrops (akute Episode eines Hornhautödems durch Einriss der Descemet-Membran). Die Hornhauttransplantation wird zur wichtigsten Option.

Die Progression wird durch wiederholte Topographien im Zeitverlauf beurteilt: eine Zunahme des Kmax um mehr als 1 Dioptrie innerhalb eines Jahres, eine messbare Verdünnung oder ein Abfall der korrigierten Sehschärfe sind allesamt Kriterien, die eher für eine aktive Behandlung als für eine bloße Beobachtung sprechen.

Kontaktlinse auf der Fingerkuppe bei einer Anpassung wegen Keratokonus
Wenn die Brille nicht mehr ausreicht, stellen formstabile Kontaktlinsen eine regelmäßige optische Oberfläche wieder her.

Die stufenweise Behandlung

Die Behandlung des Keratokonus folgt einer stufenweisen Logik, angepasst an das Stadium, die Progression und das Alter des Patienten. Vorrangiges Ziel ist immer, das Fortschreiten aufzuhalten; die Wiederherstellung des Sehens erfolgt in einem zweiten Schritt, nach der Stabilisierung.

Keratokonus — Vergleich

Keratokonus: Crosslinking, Ringsegmente oder Transplantation?

Der Keratokonus verformt die Hornhaut zunehmend. Je nach Stadium und Verlauf gibt es drei große Möglichkeiten — von der einfachen Stabilisierung bis zum Ersatz der Hornhaut. Sie ergänzen einander häufig.

Was Ihnen wichtig ist
KriteriumCrosslinkingCXL — stabilisiertisoliert · zum Schließen klickenRingsegmenteintrakornealisoliert · zum Schließen klickenTransplantationder Hornhautisoliert · zum Schließen klicken
ZielStabilisieren: den Verlauf stoppen (korrigiert das Sehen nicht).Die Hornhaut regularisieren: besseres Sehen und bessere Linsenverträglichkeit.Die zu stark verformte oder getrübte Hornhaut ersetzen.
Wann / StadiumFortschreitender Keratokonus, beginnend bis mittelgradig.Leichte bis mittelgradige Formen, Hornhaut noch klar.Schwere Formen, als letzte Möglichkeit.
Prinzip / EingriffVitamin B2 + UV: verstärkt das Kollagen (Vernetzung).Zwei Segmente, in die Dicke der Hornhaut eingeschoben.Die Hornhaut wird durch ein Transplantat ersetzt (komplett oder tiefe Schichten).
ErholungEinige Tage Beschwerden (wie nach einer PRK).Schnell, einige Tage.Lang — mehrere Monate bis ein Jahr, Fäden müssen entfernt werden.
UmkehrbarkeitEndgültig (dauerhafte Verstärkung).Reversibel (entfernbar oder austauschbar).Endgültig.
Wichtigste RisikenVorübergehende Hornhauttrübung, Infektion (selten).Verschiebung / Extrusion (selten), unvollständige Wirkung.Abstoßung des Transplantats, Restastigmatismus, lange Nachsorge.
Empfohlen, wenn …Ihr Keratokonus fortschreitet und man ihn möglichst früh stoppen will.Ihre Hornhaut noch klar ist und man das Sehen verbessern will, ohne zu transplantieren.die übrigen Möglichkeiten nicht mehr ausreichen: die Hornhaut ist zu stark geschädigt.

Tipp: Fahren Sie über eine Zeile, um ihr zu folgen, klicken Sie auf einen Spaltenkopf, um ihn zu isolieren, oder wählen Sie, was Ihnen am wichtigsten ist.

Erklärende Übersicht — Dr. Moïse Tourabaly, Augenarzt. Dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung: Erst die Untersuchung bestimmt die für Ihr Auge geeignete Technik.

Stufe 0 — Beenden des Augenreibens und optische Versorgung

Das ist die erste Verordnung und oft die wichtigste. Der Patient muss jedes Reiben der Augen unbedingt einstellen, auch gelegentliches. Begleitende Augenallergien werden aktiv behandelt (Antihistaminika, kurzzeitig topische Kortikosteroide, Meiden der erkannten Allergene), um die Ursache des Reibens zu beseitigen. Ein Patient, der sich weiterhin die Augen reibt, verschlimmert seinen Keratokonus mechanisch, gleichgültig wie gut die übrige Behandlung ist.

Die optische Versorgung richtet sich nach dem Stadium: eine Brille, solange sie ein brauchbares Sehen ermöglicht, dann formstabile, gasdurchlässige Kontaktlinsen oder Sklerallinsen bei weiter fortgeschrittenen Formen. Diese Linsen stabilisieren die Erkrankung nicht, stellen aber ein funktionelles Sehen wieder her, indem sie die unregelmäßige Oberfläche glätten.

Keratokonus — Linsenvergleich

Kontaktlinsen bei Keratokonus: weich, formstabil oder skleral?

Wenn die Brille nicht mehr ausreicht, korrigieren Kontaktlinsen das Sehen, indem sie die Unregelmäßigkeit der Hornhaut ausgleichen. Drei Familien, von der angenehmsten bis zur leistungsfähigsten bei fortgeschrittenen Formen.

Was Ihnen wichtig ist
KriteriumWeicheleichte Formenisoliert · zum Schließen klickenFormstabileGP-Linsenisoliert · zum Schließen klickenHybrideformstabiles Zentrum + weicher Randisoliert · zum Schließen klickenSkleralegroßer Durchmesserisoliert · zum Schließen klicken
PrinzipLegen sich der Hornhaut an: sofort bequem, korrigieren leichte Formen.Erzeugen über der Hornhaut eine regelmäßige optische Oberfläche (Tränenfilm).Formstabiles Zentrum (scharfe Optik) mit einem weichen Rand (Komfort).Großer Durchmesser: Auflage auf dem Weiß des Auges, Gewölbe über der Hornhaut (Tränenreservoir).
KomfortHoch von Anfang an.Eingewöhnung nötig (anfangs Fremdkörpergefühl).Gut: der Komfort der weichen, die Optik der formstabilen Linse.Angenehm (berühren die Hornhaut nicht), Aufsetzen technisch anspruchsvoller.
SehqualitätAusreichend bei leichten Formen.Ausgezeichnet — der Maßstab bei unregelmäßiger Hornhaut.Ausgezeichnet — formstabile Optik im Zentrum.Ausgezeichnet, auch bei fortgeschrittenen Formen.
Geeignetes StadiumLeicht.Leicht bis mittelgradig.Leicht bis mittelgradig.Mittelgradig bis fortgeschritten oder Unverträglichkeit formstabiler Linsen.
HandhabungEinfach.Einfach (kleine Größe).Mittel.Aufsetzen mit Kochsalzreservoir, erfordert Übung.
Preis / Kostenübernahme€€ — regelmäßiger Austausch. — langlebig (1 bis 2 Jahre); Kostenübernahme bei Keratokonus (LPP).€€€ — jährlicher Austausch.€€€ — maßgefertigt, langlebig; Kostenübernahme bei Keratokonus (LPP).
Empfohlen, wenn …Ihr Keratokonus leicht ist und Sie sofortigen Komfort wünschen.Sie möglichst scharf sehen möchten und die Eingewöhnung in Kauf nehmen.Sie die Optik der formstabilen Linse mit mehr Komfort wünschen.Ihre Hornhaut stark verformt ist oder formstabile Linsen schlecht vertragen werden.

Tipp: Fahren Sie über eine Zeile, um ihr zu folgen, klicken Sie auf einen Spaltenkopf, um ihn zu isolieren, oder wählen Sie, was Ihnen am wichtigsten ist.

Erklärende Übersicht — Dr. Moïse Tourabaly, Augenarzt. Dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung: Erst die Untersuchung bestimmt die für Ihr Auge geeignete Technik.

Stufe 1 — Hornhautvernetzung (Crosslinking, CXL) in der Clinique Laser Victor Hugo

Die Hornhautvernetzung (Crosslinking) ist das Standardverfahren zur Stabilisierung eines fortschreitenden Keratokonus. 2003 von Wollensak und Spoerl in Dresden beschrieben (Wollensak et al., Am J Ophthalmol, 2003), besteht das Prinzip darin, kovalente Brücken zwischen den Kollagenfasern des Hornhautstromas zu schaffen, um die biomechanische Widerstandsfähigkeit der Hornhaut zu verstärken und das Fortschreiten zu stoppen.

In der Praxis findet der Eingriff in der Clinique Laser Victor Hugo ambulant und in topischer Anästhesie statt. Nach Abtragung des zentralen Hornhautepithels (Dresdner Protokoll, epi-off, bewährte Referenz) wird etwa zwanzig Minuten lang eine Riboflavin-Lösung (Vitamin B2) eingeträufelt, anschließend wird die Hornhaut einige Minuten lang mit kontrollierter Leistung ultraviolettem Licht A ausgesetzt. Die Photoreaktion löst die stabilisierenden kovalenten Brücken aus.

Die Langzeitergebnisse sind heute gut dokumentiert. Die italienische Siena Eye Cross Study (Caporossi et al., Am J Ophthalmol, 2010) zeigte eine Stabilisierung der Keratometrie bei einer mittleren Nachbeobachtung von mehr als 4 Jahren, und die Daten mit 10 Jahren Abstand bestätigen die Dauerhaftigkeit des Nutzens in der Mehrzahl der Fälle. Die Hornhautvernetzung hat in den Ländern, die sie früh eingeführt haben, die Zahl der notwendigen Hornhauttransplantationen deutlich gesenkt.

Was das Crosslinking nicht leistet: Es verbessert das Sehen nicht, es stabilisiert es. Eine leichte Abflachung der Hornhaut wird manchmal im späteren Verlauf beobachtet, sie ist aber nicht das Ziel des Eingriffs. Wird nach der Stabilisierung eine Verbesserung des Sehens angestrebt, geht man zur nächsten Stufe über.

Stufe 2 — Topographiegeführte PRK auf der Teneo-Plattform mit OCTAVIUS-Modul

Sobald der Keratokonus durch Crosslinking stabilisiert ist, kann eine Modellierung der Oberfläche durch topographiegeführte PRK angeboten werden, um das Sehen bei Patienten zu verbessern, deren Refraktion trotz optischer Korrektur beeinträchtigend bleibt. Das Prinzip besteht darin, die Vorderfläche der Hornhaut mit dem Excimerlaser zu modellieren und sich dabei an der individuellen Topographie des Auges zu orientieren, um die Oberfläche zu regularisieren und einen Teil des irregulären Astigmatismus auszugleichen.

In der Clinique Laser Victor Hugo verwende ich die Plattform Teneo-Laser (Bausch + Lomb) zusammen mit dem Auswertungsmodul OCTAVIUS, das eine individuelle Planung der Behandlung anhand der Hornhautbildgebung des Patienten ermöglicht. Die topographiegeführte PRK zielt nicht auf eine vollständige Korrektur der Refraktion wie bei einer üblichen refraktiven Operation: Ziel ist die Regularisierung der Oberfläche, um die Sehqualität und die Verträglichkeit von Kontaktlinsen zu verbessern oder eine Brillenkorrektur wirksamer zu machen.

Dieser Ansatz, der Crosslinking und anschließende topographiegeführte PRK verbindet und in der Fachliteratur oft unter dem Begriff CXL plus zusammengefasst wird, hat die Behandlung fortschreitender Keratokoni verändert: Über die Stabilisierung hinaus bringt er einer Mehrheit ausgewählter Patienten einen echten Sehgewinn.

Stufe 3 — Intrakorneale Ringsegmente

Wenn der Keratokonus weiter fortgeschritten ist, die Verträglichkeit von Kontaktlinsen nicht mehr ausreicht und die topographiegeführte PRK nicht genügt, kann das Einsetzen intrakornealer Ringsegmente angeboten werden. Es handelt sich um kleine halbkreisförmige Segmente aus biokompatiblem Material, die mithilfe eines Femtosekundenlasers, der einen präzisen Tunnel in der Peripherie anlegt, in die Dicke der Hornhaut eingesetzt werden.

Die Ringsegmente wirken wie eine innere Schiene: Sie flachen den Kegel ab und zentrieren ihn, wodurch der irreguläre Astigmatismus abnimmt und die korrigierte Sehschärfe besser wird. Der Eingriff ist umkehrbar — die Segmente können bei Bedarf entfernt oder neu positioniert werden —, was in einem fortschreitenden Verlauf ein wichtiger Vorteil ist.

Die intrakornealen Ringsegmente werden in der Clinique Laser Victor Hugo ambulant und in topischer Anästhesie eingesetzt. Auf dem Markt gibt es mehrere Modelle, jedes mit eigenen Indikationen je nach Topographie des Kegels, seiner Lage und der Hornhautdicke. Die Wahl des Modells und der Anzahl der Segmente (eines oder zwei) erfolgt anhand der topographischen Untersuchung und der präoperativen Planung.

Stufe 4 — Hornhauttransplantation (DALK oder PKP)

Wenn der Keratokonus ein Endstadium erreicht — stark verdünnte Hornhaut, zentrale Narben, vollständige Unverträglichkeit von Kontaktlinsen, durchgemachter Hydrops mit Folgeschäden —, wird die Hornhauttransplantation zur wichtigsten Option. Ich führe diese Transplantationen in der Clinique Sainte-Geneviève (Paris 14) durch, dem Standort, an dem meine gesamte Tätigkeit in der großen intraokularen Chirurgie stattfindet. Ich bin an die Französische Augenbank (Banque Française des Yeux, BFY) angebunden, die die Rückverfolgbarkeit, die Qualität und die gesundheitliche Sicherheit der verwendeten Transplantate gewährleistet.

Es gibt zwei Techniken:

  • Tiefe anteriore lamelläre Keratoplastik (DALK) — das ist meine Technik der ersten Wahl beim fortgeschrittenen Keratokonus ohne Beteiligung des Endothels. Es wird nur der vordere Teil der Hornhaut des Patienten ersetzt (Epithel und Stroma), während die eigene Descemet-Membran und das eigene Endothel des Patienten erhalten bleiben. Dieser Erhalt ist ein wesentlicher Vorteil: Er senkt das Risiko einer endothelialen Abstoßung sehr deutlich und verbessert das Langzeitüberleben des Transplantats.
  • Durchgreifende Transplantation (perforierende Keratoplastik, PKP) — Ersatz der gesamten Hornhautdicke. Ich behalte sie den Fällen vor, in denen eine DALK nicht durchführbar ist, insbesondere bei einer intraoperativen Perforation der Descemet-Membran (dann ist ein Wechsel der Technik während der Operation nötig) oder bei einem durchgemachten Hydrops mit Descemet-Narbe, der die lamelläre Präparation technisch riskant macht.

Die Langzeitdaten sind günstig. Eine aktuelle französische Studie am Quinze-Vingts-Krankenhaus (Borderie et al., Br J Ophthalmol, 2023) berichtet bei 502 wegen Keratokonus operierten Augen über ein Überleben des Transplantats von 96,7 % nach 10 Jahren und von 95,6 % nach 20 Jahren, bei einer im Mittel sehr deutlichen Verbesserung des Sehens. Die DALK zeigt einen besseren Erhalt der Endothelzelldichte und ein geringeres Risiko eines erhöhten Augeninnendrucks als die PKP, was für ihren Vorzug spricht, wann immer die anatomischen Verhältnisse es erlauben.

Akuter Hydrops — es handelt sich um eine akute Episode eines Hornhautödems infolge eines Einrisses der Descemet-Membran bei fortgeschrittenem Keratokonus. Wenn sich ein Patient notfallmäßig mit einem akuten Hydrops vorstellt, lege ich in der Clinique Sainte-Geneviève Kompressionsnähte an, um die Descemet-Membran wieder anzulegen und die Rückbildung des Ödems zu beschleunigen, bevor später die endgültige chirurgische Behandlung erwogen wird.

Die Einschätzung von Dr. Tourabaly

„Der Keratokonus ist eine Erkrankung, bei der die frühe Diagnose die Prognose grundlegend verändert. In der Mehrzahl der Fälle wird ein junger Patient, der früh erkannt wird, bei dem das Augenreiben beendet wird und der bei entsprechender Indikation rasch zum Crosslinking kommt, sein Leben lang nie eine Hornhauttransplantation brauchen. Dass ich den gesamten Weg abdecke — von der topographischen Früherkennung bis zur lamellären Transplantation, wenn sie nötig wird —, erlaubt mir, jeden Patienten über die Jahre zu begleiten, mit einer Kontinuität der Nachsorge, die einen echten Unterschied macht.“

Behandlungsablauf

Die Behandlung des Keratokonus verteilt sich auf drei getrennte Behandlungsstandorte:

  • Praxis in Cachan (94) — Sprechstunden, topographische Früherkennung mit dem Sirius, Verlaufskontrolle. Telefon: +33 1 45 47 08 11.
  • Clinique Laser Victor Hugo (Paris 16) — Hornhautvernetzung, topographiegeführte PRK (Plattform Teneo + OCTAVIUS), Einsetzen intrakornealer Ringsegmente.
  • Clinique Sainte-Geneviève (Paris 14) — Hornhauttransplantationen DALK und PKP, Versorgung des akuten Hydrops. Anbindung an die Französische Augenbank (BFY).

Termine für die Sprechstunde können direkt über Doctolib vereinbart werden. Der erste Besuch umfasst eine vollständige Untersuchung, eine Sirius-Topographie (Früherkennung oder Bestätigung), eine Hornhaut-OCT und ein Gespräch über den Behandlungsplan, der dem Stadium und der Progression angepasst ist. Die Nachsorge wird anschließend je nach Verlauf geplant — Kontrolltopographien in regelmäßigen Abständen, gegebenenfalls die Entscheidung für ein Crosslinking und danach die postoperative Nachsorge, falls operiert wird.

Häufige Fragen

Der Keratokonus lässt sich im strengen Sinne nicht „heilen“: Die zugrunde liegende Erkrankung bleibt bestehen. Sein Fortschreiten kann jedoch in der großen Mehrzahl der Fälle durch das Crosslinking gestoppt werden, und das Sehen lässt sich mit mehreren Verfahren verbessern (Kontaktlinsen, topographiegeführte PRK, Ringsegmente). Die Hornhauttransplantation ersetzt, wenn sie nötig wird, die erkrankte Hornhaut und stellt eine gesunde Anatomie wieder her. Entscheidend ist, früh zu handeln.

Der Eingriff selbst ist dank der topischen Anästhesie nicht schmerzhaft. Die folgenden 24 bis 72 Stunden können unangenehm sein, bis das Hornhautepithel verheilt ist: Fremdkörpergefühl, Tränen, Lichtempfindlichkeit. Für diesen Zeitraum werden eine Verbandkontaktlinse, schmerzstillende Augentropfen und eine Behandlung zum Einnehmen verordnet. Nach 3-4 Tagen lassen die Beschwerden allmählich nach.

Bei Kindern und Jugendlichen schreitet die Erkrankung oft schneller voran als im Erwachsenenalter. Ist eine Progression auf aufeinanderfolgenden Topographien dokumentiert, wird in der Regel rasch ein Crosslinking vorgeschlagen, um eine irreversible Verschlechterung zu vermeiden. Das vollständige Beenden des Augenreibens ist unerlässlich, und etwaige Allergien müssen aktiv behandelt werden. Die endgültige Entscheidung hängt von der objektiv nachgewiesenen Progression und von der Sehverträglichkeit ab.

Nein. Der Keratokonus ist, auch im subklinischen oder beginnenden Stadium, eine absolute Kontraindikation für den LASIK, wegen der Gefahr einer postoperativen Ektasie (Zunahme der Verformung nach dem Schneiden des Flaps). Aus diesem Grund ist die topographische Früherkennung vor jeder refraktiven Operation in meinem Protokoll systematisch. Je nach Fall kann eine PRK (Oberflächenverfahren) nach der Stabilisierung durch Crosslinking mitunter noch infrage kommen, die Entscheidung fällt jedoch von Fall zu Fall.

Die DALK (tiefe anteriore lamelläre Keratoplastik) ersetzt nur den vorderen Teil der Hornhaut und erhält dabei die Descemet-Membran und das Endothel des Patienten. Die durchgreifende Transplantation (perforierende Keratoplastik, PKP) ersetzt die gesamte Dicke. Die DALK senkt das Risiko einer endothelialen Abstoßung deutlich und verbessert das Langzeitüberleben des Transplantats, was sie beim Keratokonus zu meiner Technik der ersten Wahl macht. Die PKP wird weiterhin bei intraoperativer Perforation oder bei durchgemachtem Hydrops eingesetzt, der eine DALK technisch unmöglich macht.

Quellen

  1. Wollensak G, Spoerl E, Seiler T. Riboflavin/ultraviolet-A-induced collagen crosslinking for the treatment of keratoconus. Am J Ophthalmol. 2003;135(5):620-627. PMID : 12719068
  2. Caporossi A, Mazzotta C, Baiocchi S, Caporossi T. Long-term results of riboflavin ultraviolet A corneal collagen cross-linking for keratoconus in Italy: the Siena Eye Cross Study. Am J Ophthalmol. 2010;149(4):585-593. PMID : 20138607
  3. Borderie VM, Georgeon C, Sandali O, Bouheraoua N. Long-term outcomes of deep anterior lamellar versus penetrating keratoplasty for keratoconus. Br J Ophthalmol. 2023. PMID : 37890880

Dieser Artikel dient der Information. Für jede Behandlungsentscheidung bleibt eine persönliche augenärztliche Beratung unerlässlich.