Grauer Star · Nachstar

Nachstar: Kapsulotomie mit dem YAG-Laser in 5 Minuten

Wird Ihr Sehen mehrere Monate nach Ihrer Operation des Grauen Stars wieder verschwommen? Meist handelt es sich um einen Nachstar, der ohne Operation durch eine YAG-Kapsulotomie behandelt wird, in der Praxis, in wenigen Minuten.

Inhalt verfasst und medizinisch geprüft von Dr Moïse Tourabaly · Letzte Aktualisierung: 1. January 1970

Was ist ein Nachstar?

Der Ausdruck „Nachstar“ hat sich eingebürgert, ist aber irreführend: Es handelt sich nicht um einen Rückfall des Grauen Stars. Die bei Ihrer Operation eingesetzte Intraokularlinse kann nicht wieder trüb werden. Was sich trübt, ist die hintere Kapsel: die feine durchsichtige Hülle, die hinter Ihrer natürlichen Augenlinse lag und die bei der Operation erhalten wurde, um der Linse als Halt zu dienen.

Mit der Zeit können verbliebene Epithelzellen der früheren Augenlinse auf diese Kapsel wandern und sie faserig und trüb werden lassen. Man spricht von einer Trübung der hinteren Kapsel oder PCO (posterior capsule opacification). Das Sehen wird nach und nach wieder verschwommen, als käme der Graue Star zurück – daher der volkstümliche Name „Nachstar“.

Im Bild erklärt

Nachstar und YAG-Laser

Die Kapsel, die die Linse hält, trübt sich manchmal nach der Operation ein; der YAG-Laser öffnet sie in wenigen Minuten wieder.

Häufigkeit und Risikofaktoren

Die Trübung der hinteren Kapsel ist die häufigste mittelfristige Komplikation der Operation des Grauen Stars. Ihre kumulierte Häufigkeit nach fünf Jahren schwankt in der Literatur: Sie betrifft etwa 10 bis 30 % der operierten Augen, mit großen Unterschieden je nach Alter des Patienten, Linsentyp und Operationstechnik.

Die belegten Risikofaktoren:

  • Junges Alter zum Zeitpunkt der Operation (Patienten, die vor dem 50. Lebensjahr operiert werden, entwickeln häufiger eine PCO);
  • Hohe Kurzsichtigkeit oder eine schon zuvor bestehende Uveitis;
  • Ein schlecht eingestellter Diabetes;
  • Material und Bauform der Linse (bestimmte Modelle mit scharfkantigem Rand senken das Risiko deutlich);
  • Die Güte der Kapselpolitur während der Operation.

Moderne Linsen mit scharfkantigem Rand aus hydrophobem Material haben die Häufigkeit der PCO gegenüber den früheren Generationen erheblich verringert. Der Zeitraum bis zum Auftreten reicht von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren nach der Operation.

Welche Symptome treten auf?

Die Patienten beschreiben typischerweise:

  • Eine allmähliche Verschlechterung des Sehens, zuerst bei Nacht, dann auch bei Tag;
  • Das Wiederauftreten der Blendung, vor allem beim Fahren bei Nacht;
  • Die Rückkehr von Halos um Lichtquellen;
  • Ein „milchiges“ oder leicht verschleiertes Sehen;
  • Kontrast und Schärfe, die über einige Wochen unmerklich nachlassen.

Diese Symptome ähneln denen des ursprünglichen Grauen Stars – doch hier ist allein die hintere Kapsel betroffen, nicht die Augenlinse (die entfernt wurde). Die Untersuchung an der Spaltlampe nach Pupillenerweiterung bestätigt die Diagnose unmittelbar, indem sie die Trübung hinter der Linse sichtbar macht.

Die Behandlung: die Kapsulotomie mit dem YAG-Laser

Die Standardbehandlung des Nachstars ist die Kapsulotomie mit dem Nd:YAG-Laser. Es handelt sich nicht um eine Operation, sondern um eine einfache Laserbehandlung in der Praxis von Dr. Tourabaly. Keine Eröffnung, kein Schnitt: Der Laser durchquert die Hornhaut und wirkt aus der Ferne auf die hintere Kapsel, um dort eine zentrale Öffnung zu schaffen.

Wie läuft es ab?

  • Eintropfen eines pupillenerweiternden Augentropfens (15 bis 30 Minuten Wartezeit);
  • Eintropfen eines anästhesierenden Augentropfens: Die Behandlung ist in der Regel schmerzfrei;
  • Aufsetzen eines besonderen Kontaktglases, um den Laser genau zu bündeln;
  • Abgabe einiger Dutzend Laserimpulse auf die hintere Kapsel, um eine kreisrunde Öffnung von 4 bis 5 mm zu schaffen;
  • Gesamtdauer: wenige Minuten;
  • Sie verlassen die Praxis unmittelbar danach, ohne Verband, ohne Schutzschale.

Ergebnis

Das Sehen bessert sich sehr rasch, oft schon in den Stunden danach, sobald die Pupillenerweiterung nachgelassen hat. Um die hinter der Intraokularlinse liegende Kapsel zu öffnen, muss die Pupille zuvor erweitert werden. Der Laser berührt die Linse selbst zu keinem Zeitpunkt, und die Erholung des Sehens fällt dadurch umso deutlicher aus. Das Ergebnis ist dauerhaft: Die YAG-Kapsulotomie „schließt sich“ nicht wieder und erfordert keine Nachbehandlung. Eine neuere multizentrische Studie hat eine mittlere Verbesserung der Sehschärfe von 20/40 auf 20/23 (etwa 0,5 auf 0,9 in dezimaler Schreibweise) bestätigt, mit 99 % zufriedenen Patienten und ohne nennenswerte Komplikation (Lighthizer et al., 2023).

Nach dem Laser: was Sie wissen sollten

Die Behandlung mit dem YAG-Laser erfordert keine Arbeitsunfähigkeit. Die gewohnten Tätigkeiten (Lesen, Bildschirm, Autofahren, sobald die Pupillenerweiterung nachgelassen hat, Sport, Baden) können sofort wieder aufgenommen werden. In den Tagen danach können Sie allerdings Folgendes bemerken:

  • Neue Glaskörpertrübungen („Mouches volantes“), die den in den Glaskörper freigesetzten Kapselbruchstücken entsprechen. Sie lösen sich in der Regel binnen einiger Wochen von selbst auf.
  • Einen vorübergehenden Anstieg des Augeninnendrucks (selten, rückbildungsfähig): Eine Messung des Augeninnendrucks ist nach 1 Stunde und danach nach 1 Woche vorgesehen.
  • Einen leichten Halo-Effekt um Lichtquellen in den ersten Tagen.

Ein steroidaler entzündungshemmender Augentropfen kann für einige Tage verordnet werden. In der ganz überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist keine weitere Behandlung nötig.

Komplikationen und Grenzen — die Aufklärung

Die YAG-Kapsulotomie ist eine sehr sichere Behandlung. Die berichteten Komplikationen sind Ausnahmen; sie werden nachstehend zur vorherigen Information aufgeführt:

  • Vorübergehender Anstieg des Augeninnendrucks (< 3 %), fast immer rückbildungsfähig;
  • Mäßige Entzündung im Augeninneren, mit einem entzündungshemmenden Augentropfen beherrschbar;
  • Neue, für einige Wochen sichtbare Glaskörpertrübungen;
  • Einstich oder „Pit“ in der Linse: eine mikroskopisch kleine Marke, die der Laser hinterlässt, ohne Folgen für das Sehen;
  • Makulaödem: selten (< 1 %), unter Behandlung rückbildungsfähig;
  • Netzhautablösung: eine außergewöhnliche, aber reale Komplikation, deren Risiko nach einer Kapsulotomie leicht erhöht ist, besonders bei hoher Kurzsichtigkeit. Beim Auftreten von Lichtblitzen, einer großen Zahl von Glaskörpertrübungen oder eines schwarzen Vorhangs ist unverzüglich ärztlicher Rat einzuholen.

Dr. Tourabaly führt vor der Kapsulotomie grundsätzlich eine Untersuchung des Augenhintergrunds und ein OCT durch, um einen etwaigen Riss der peripheren Netzhaut oder eine Schwachstelle der Netzhaut zu erkennen, die zuvor behandelt werden müsste.

Häufige Fragen

Ist das ein Rückfall meines Grauen Stars?

Nein. Die Intraokularlinse trübt sich nie ein. Was sich trübt, ist die hintere Kapsel, die die Linse umgibt. Die Bezeichnung „Nachstar“ ist historisch und volkstümlich; der genaue medizinische Begriff lautet „Trübung der hinteren Kapsel“ (PCO).

Ist die YAG-Kapsulotomie schmerzhaft?

Nein. Die Behandlung erfolgt unter anästhesierenden Augentropfen. Sie nehmen allein kleine Klickgeräusche und Lichtblitze wahr. Der Laser dauert wenige Minuten.

Muss man nüchtern sein?

Nein. Keine Vollnarkose, keine Nüchternheit. Sie können normal gegessen haben und allein wieder gehen, sofern Sie in den 4 bis 6 Stunden, die die Pupillenerweiterung zum Abklingen braucht, nicht Auto fahren.

Wann kann ich meine Tätigkeiten wieder aufnehmen?

Sofort, ausgenommen das Autofahren für 4 bis 6 Stunden, bis die Pupillenerweiterung nachgelassen hat. Keine Arbeitsunfähigkeit, keine Einschränkung beim Sport, kein Badeverbot.

Wird der YAG-Laser erstattet?

Ja. Die YAG-Kapsulotomie wird von der Assurance Maladie (französische gesetzliche Krankenversicherung) vollständig übernommen. Ein etwaiger dépassement d’honoraires (Honoraranteil über dem Kassentarif) im Sektor 2 wird schriftlich mitgeteilt und häufig von den Mutuelles (privaten Zusatzversicherungen) gedeckt.

Kann es nötig werden, den Laser zu wiederholen?

Nein. Die Kapsulotomie ist dauerhaft: Die in der hinteren Kapsel geschaffene Öffnung schließt sich nicht wieder. Eine Sehverschlechterung nach längerer Zeit muss durch eine erneute Untersuchung auf eine andere Ursache hin abgeklärt werden (AMD, Glaukom, Netzhauterkrankung).

„Häutchen“ und Nachstar: wovon ist die Rede?

„Häutchen“ ist ein umgangssprachlicher Ausdruck, den manche Patienten für die feine Membran verwenden, die sich hinter der Linse bildet. Der genaue medizinische Begriff lautet „Trübung der hinteren Kapsel“: Die Kapsel, die die Linse trägt, verdickt sich und trübt das Sehen. Der YAG-Laser (Kapsulotomie) öffnet diese Membran in wenigen Minuten.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sind nach dem YAG-Laser nötig?

Der Verlauf danach ist einfach: Ein entzündungshemmender Augentropfen wird mitunter für einige Tage verordnet. Fahren Sie 4 bis 6 Stunden lang nicht Auto, bis die Pupillenerweiterung nachgelassen hat. Vorübergehend können Glaskörpertrübungen (schwarze Punkte) auftreten. Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn Sie in den folgenden Tagen einen Schleier, einen Regen schwarzer Punkte oder anhaltende Lichtblitze wahrnehmen.

Wieder verschwommenes Sehen nach Ihrem Grauen Star?

Sprechstunde in Cachan (94) oder in Paris. Die YAG-Kapsulotomie wird unmittelbar in der Praxis durchgeführt.

Wissenschaftliche Quellen

  • Lighthizer N et al. Nd:YAG Laser Capsulotomy: Efficacy and Outcomes. Optom Vis Sci. 2023;100(10):665-669. DOI: 10.1097/OPX.0000000000002057
  • Huang AY, Rao N, Armenti ST. Dropless Cataract Surgery: A Review of the Literature. Int Ophthalmol Clin. 2025;65(2):44-54. DOI: 10.1097/IIO.0000000000000560
  • Wormstone IM. Posterior capsule opacification: a cell biological perspective. Exp Eye Res. 2002. PMID: 12014915.
  • Bai L, Zhang J, Chen L, et al. Comparison of posterior capsule opacification at 360-degree square edge hydrophilic and sharp edge hydrophobic acrylic intraocular lens in diabetic patients. Int J Ophthalmol. 2015. PMID: 26309870.
  • Leydolt C, Schartmüller D, Schwarzenbacher L, et al. Posterior Capsule Opacification With Two Hydrophobic Acrylic Intraocular Lenses: 3-Year Results of a Randomized Trial. Am J Ophthalmol. 2020. PMID: 32335056.
  • Dot C, Schweitzer C, Labbé A, et al. Incidence of Retinal Detachment, Macular Edema, and Ocular Hypertension after Nd:YAG Capsulotomy — The French YAG 2 Study. Ophthalmology. 2023. PMID: 36581227.
  • Rajpoot M, Nehra H, Sharma V, et al. How Safe is Nd:YAG Laser Capsulotomy in Patients with Uveitis? Outcomes of a Long-Term Study. J Curr Ophthalmol. 2024. PMID: 39553324.

Seite verfasst von Dr. Moïse Tourabaly, Augenarzt und Chirurg, zu Informationszwecken. Sie ersetzt in keinem Fall eine ärztliche Beratung.

Verfasst von Dr Moïse Tourabaly

Augenchirurg · Ehemaliger Chef de Clinique des Hôpital National des Quinze-Vingts (Sorbonne Université) · RPPS 10101444676

Seite geprüft und aktualisiert am 1. January 1970

Quellen: Société Française d’Ophtalmologie (SFO), Haute Autorité de Santé (HAS), PubMed.