Refraktive Chirurgie
Dünne Hornhaut: welche Möglichkeiten gibt es, das Sehen zu korrigieren?
Eine Hornhaut, die für das LASIK als „zu dünn“ gilt, verbietet es nicht, Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung zu korrigieren. Sie lenkt lediglich die Wahl des Verfahrens. Hier die Möglichkeiten, von der PRK bis zur Linse, und was den Ausschlag gibt.
Inhalt
- Dünne Hornhaut: wovon sprechen wir?
- Warum die Dicke für den Laser alles ändert
- Die PRK: erste Möglichkeit bei dünner Hornhaut
- LASIK und dünne Hornhaut: in welchen Fällen?
- Zu dünne Hornhaut: die phake Linse
- Welche Richtung je nach Hornhaut?
- Dünne Hornhaut oder Keratokonus?
- Die Voruntersuchung entscheidet über alles
- Häufige Fragen
Dünne Hornhaut: wovon sprechen wir?
Die Hornhaut ist die durchsichtige Linse an der Vorderseite des Auges. Ihre Dicke wird in Mikrometern gemessen, mit einer schmerzfreien Untersuchung namens Pachymetrie. Von einer dünnen Hornhaut spricht man, wenn diese Dicke deutlich unter dem Durchschnitt liegt, der als Anhaltspunkt oft bei 540 bis 550 Mikrometern angesetzt wird. Nach Angaben der Société Française d’Ophtalmologie (SFO), der französischen ophthalmologischen Fachgesellschaft, gehört diese Messung zu den zentralen Untersuchungen vor jeder refraktiven Operation.
Eine einzelne Zahl sagt jedoch nicht alles. Was zählt, ist die Dicke im Verhältnis zur angestrebten Korrektur und zur Form der Hornhaut. Derselbe Messwert kann für eine geringe Kurzsichtigkeit ausreichen und sich für eine starke Korrektur als unzureichend erweisen. Der Begriff der dünnen Hornhaut ist also relativ: Seinen Sinn erhält er in der Gesamtbetrachtung Ihres Auges.
Viele Patienten erfahren erst bei der Voruntersuchung, dass sie eine dünne Hornhaut haben, ganz ohne Beschwerden. Das ist an sich keine Krankheit: Eine Hornhaut kann dünn und vollkommen gesund sein. Es verändert lediglich die Bandbreite der möglichen Verfahren, wie wir gleich sehen werden.

Warum die Dicke für den Laser alles ändert
Der Laser korrigiert das Sehen, indem er eine dünne Gewebeschicht abträgt und die Hornhaut so umformt. Je stärker die Korrektur, desto mehr muss der Laser abtragen. Nun muss unter der behandelten Zone eine ausreichende Reserve erhalten bleiben, um die Festigkeit der Hornhaut zu bewahren. Genau diese Reserve wird bei einer dünnen Hornhaut zum entscheidenden Zwang.
Das LASIK bringt eine zusätzliche Schwierigkeit mit: Es legt einen Hornhautlappen an, der schon vor der Wirkung des Lasers seinerseits Dicke verbraucht. Bei einer ohnehin dünnen Hornhaut kann dieser Lappen eine zu dünne Reserve übrig lassen. Eine nicht ausreichend dicke Hornhaut setzt dem Risiko einer strukturellen Schwächung aus, die man Ektasie nennt. Um das zu vermeiden, und nicht aus Vorliebe, wird das LASIK mitunter verworfen.
Die PRK arbeitet dagegen an der Oberfläche, ohne einen Lappen anzulegen. Sie erspart also den Gewebeverlust durch den Lappen und schont die verfügbare Dicke stärker. Aus diesem Grund kommt sie so oft zur Sprache, sobald eine Hornhaut dünn ist. Bleibt die Frage, wie weit sie reicht und was geschieht, wenn sie nicht mehr genügt.
Die PRK: erste Möglichkeit bei dünner Hornhaut
Die PRK ist bei einer dünnen Hornhaut häufig die zuerst erwogene Möglichkeit. Indem sie unmittelbar an der Oberfläche arbeitet, ohne einen Lappen zu schneiden, schont sie den Aufbau der Hornhaut. Nach Angaben der SFO kommt die PRK zur Sprache, wenn die Hornhaut ein pachymetrisches oder topographisches Warnzeichen aufweist, das sie an die Grenzen der Photoablation rückt, also dessen, was der Laser abtragen kann, ohne das Auge zu schwächen.

Wie läuft eine PRK ab?
Der Chirurg entfernt zunächst das Epithel, die feine Zellschicht, die die Hornhaut bedeckt, und wendet dann den Excimerlaser an der Oberfläche an, um den Sehfehler zu korrigieren. Es wird kein Lappen angelegt. Eine Verbandlinse wird eingesetzt, um das Auge während des Nachwachsens des Epithels zu schützen, was in der Regel einige Tage dauert. Danach wird das Sehen über mehrere Wochen hinweg allmählich schärfer.
Genügt die PRK immer?
Nein, und das ist ein wichtiger Punkt. Die PRK schont mehr Gewebe als das LASIK, doch auch sie bleibt durch die Dicke der Hornhaut und durch das Ausmaß der Korrektur begrenzt. Bei einer sehr dünnen Hornhaut oder einer hohen Kurzsichtigkeit lässt die PRK unter Umständen keine ausreichende Reserve. In diesem Fall wird ein anderer Weg als der Laser geprüft: die Linse.
LASIK und dünne Hornhaut: in welchen Fällen?
Das LASIK ist nicht automatisch ausgeschlossen, sobald eine Hornhaut etwas dünn ist. Eine mäßig dünne Hornhaut kann bei geringer Korrektur und vollkommen normaler Topographie mitunter mit dem Verfahren vereinbar bleiben. Erst die kombinierte Betrachtung all dieser Größen, und nicht die Dicke allein, erlaubt eine sichere Entscheidung.
Umgekehrt gilt: Je dünner die Hornhaut und je höher die Korrektur, desto riskanter wird das LASIK und desto eher weicht es einem Oberflächenverfahren oder einer Linse. Wenn Sie zwischen den beiden Laserverfahren schwanken, vergleicht unsere eigene Seite LASIK und PRK Schritt für Schritt. Bei dünner Hornhaut neigt sich die Waage jedoch häufiger zur PRK.
Zu dünne Hornhaut: die phake Linse
Ist die Hornhaut zu dünn, um den Laser vernünftigerweise zu erwägen, ist nicht alles verloren. Die phake Linse, deren bekannteste Form die ICL ist, bietet eine Alternative, die die Hornhaut nicht antastet. Es handelt sich um eine Linse, die im Inneren des Auges vor die Augenlinse gesetzt wird, um den Sehfehler auf hinzufügende Weise zu korrigieren.
Da kein Hornhautgewebe abgetragen wird, ist die Dicke der Hornhaut kein Hindernis mehr. Dieser Weg ist besonders bei hohen Kurzsichtigkeiten und bei Hornhäuten interessant, die für den Laser als unzureichend gelten. Eine weitere Besonderheit: Die Linse kann grundsätzlich wieder entfernt werden, was diese Lösung möglicherweise umkehrbar macht. Die Indikation wird im Einzelfall gestellt, nach denselben Untersuchungen.
Das Einsetzen einer phaken Linse ist ein Eingriff im Augeninneren und vom Laser zu unterscheiden. Er wird in der Clinique Sainte-Geneviève durchgeführt, während die Lasereingriffe, PRK wie LASIK, in der Clinique Laser Victor Hugo stattfinden. Ort und Verfahren hängen also davon ab, was Ihre Voruntersuchung ergibt.
Welche Richtung je nach Hornhaut?
Die folgende Tabelle fasst die üblichen Richtungen nach Dicke und Zustand der Hornhaut zusammen. Sie gibt Anhaltspunkte, ersetzt aber keine ärztliche Beurteilung: Zwei Augen mit derselben Pachymetrie können je nach Korrektur und Topographie unterschiedliche Lösungen erfordern.
| Zustand der Hornhaut | Übliche Richtung |
|---|---|
| Normale Dicke, normale Topographie | LASIK oder PRK möglich, je nach Lebensweise |
| Mäßig dünne Hornhaut, geringe Korrektur | PRK häufig bevorzugt, LASIK mitunter denkbar |
| Dünne Hornhaut bei hoher Korrektur | PRK zu prüfen, phake Linse zu besprechen |
| Für den Laser zu dünne Hornhaut | Meist die phake Linse (ICL) |
| Auffällige Topographie oder Keratokonus | Laser kontraindiziert, fachärztliche Beurteilung |
Dünne Hornhaut oder Keratokonus?
Eine dünne Hornhaut ist nicht gleichbedeutend mit einer Krankheit. Eine Ausdünnung kann aber auch das Zeichen eines Keratokonus sein, einer Erkrankung, die die Hornhaut nach und nach verformt und schwächt. Die Unterscheidung ist entscheidend: Bei einem Keratokonus ist das LASIK kontraindiziert, denn es würde die Schwächung verstärken.
Es ist die Hornhauttopographie, die bei der Voruntersuchung durchgeführt wird, die es erlaubt, zwischen einer schlicht dünnen Hornhaut und einer sich verformenden Hornhaut zu unterscheiden. Nach Angaben der SFO entscheidet diese Früherkennung über die Sicherheit jeder refraktiven Operation. Sie erklärt, warum sich ohne diese genaue Kartierung Ihrer Hornhaut kein Verfahren festlegen lässt.
Die Voruntersuchung entscheidet über alles
Die Wahl einer Lösung fällt nach der präoperativen Voruntersuchung, nie davor. Das Informationsblatt der SFO erinnert daran, dass das für Ihren Fall am besten geeignete Verfahren nach Abschluss der präoperativen Voruntersuchung gemeinsam mit Ihrem Chirurgen gewählt wird. Pachymetrie, Hornhauttopographie, Messung der Korrektur und Zustand der Augenoberfläche: Erst die Gesamtheit dieser Daten bestimmt, ob die PRK, das LASIK oder eine Linse zu Ihrem Fall passt.
Die wesentliche Botschaft zum Merken:
Eine dünne Hornhaut bedeutet nicht „keine Operation möglich“. Sie verschiebt den Regler: von der PRK zur phaken Linse, je nach verbleibender Dicke und nach der zu erbringenden Korrektur. Die richtige Lösung steht nicht im Voraus fest: Sie ergibt sich aus objektiven Messwerten, die Ihrem Auge eigen sind und bei der Voruntersuchung erhoben werden.
Diese Zeit der Beurteilung schützt den Patienten. Sie verwandelt eine häufige Sorge, „meine Hornhaut ist zu dünn, kann ich operiert werden?“, in eine persönliche und auf Messwerte gestützte Antwort. Um den Ablauf der Untersuchungen zu verstehen und sich in Ruhe darauf vorzubereiten, stellt unsere Seite zur präoperativen Voruntersuchung jeden Schritt dar. Sie ist der unumgängliche Ausgangspunkt jedes Korrekturvorhabens.
Häufige Fragen
Kann man sich mit einer dünnen Hornhaut operieren lassen?
Ja, in vielen Fällen, aber das Verfahren ändert sich. Die PRK, die ohne Lappen an der Oberfläche arbeitet, schont die Dicke und tritt bei dünner Hornhaut häufig an die Stelle des LASIK. Ist die Hornhaut für den Laser zu dünn, übernimmt die phake Linse. Erst die präoperative Voruntersuchung mit Pachymetrie und Topographie erlaubt eine sichere Entscheidung.
Ab welcher Dicke gilt eine Hornhaut als „zu dünn“?
Es gibt keinen einheitlichen Schwellenwert. Die mit der Pachymetrie gemessene Dicke wird immer zusammen mit der angestrebten Korrektur und der Form der Hornhaut gelesen. Derselbe Messwert kann für eine geringe Kurzsichtigkeit ausreichen und sich für eine starke Korrektur als unzureichend erweisen. Die Entscheidung ist also individuell und stützt sich auf die Gesamtheit der Untersuchungen.
Ist die PRK bei allen dünnen Hornhäuten möglich?
Nein. Die PRK schont mehr Gewebe als das LASIK, bleibt aber durch die Dicke der Hornhaut und das Ausmaß der Korrektur begrenzt. Bei einer sehr dünnen Hornhaut oder einer hohen Kurzsichtigkeit lässt sie unter Umständen keine ausreichende Reserve. Dann wird eine phake Linse als Alternative zum Laser geprüft.
Was ist die phake Linse (ICL)?
Es ist eine Linse, die im Inneren des Auges vor die Augenlinse eingesetzt wird, ohne Hornhautgewebe abzutragen. Sie korrigiert das Sehen auf hinzufügende Weise und kann grundsätzlich wieder entfernt werden. Sie kommt infrage, wenn der Laser nicht angezeigt ist, insbesondere bei dünner Hornhaut oder hoher Korrektur. Das Einsetzen findet in der Clinique Sainte-Geneviève statt.
Bedeutet eine dünne Hornhaut Keratokonus?
Nicht zwangsläufig. Eine Hornhaut kann dünn und vollkommen gesund sein. Eine Ausdünnung kann aber auch einen Keratokonus offenlegen, der das LASIK ausschließt. Die bei der Voruntersuchung durchgeführte Hornhauttopographie erlaubt die Unterscheidung zwischen einer schlicht dünnen Hornhaut und einer sich verformenden Hornhaut.
Wie erfahre ich, welche Lösung zu mir passt?
Durch eine vollständige präoperative Voruntersuchung: Pachymetrie, Hornhauttopographie, Messung der Korrektur und Zustand der Augenoberfläche. Diese objektiven Daten bestimmen, ob die PRK, das LASIK oder eine phake Linse zu Ihrem Auge passt. Kein Verfahren wird im Voraus festgelegt: Die Indikation ergibt sich aus den Messwerten Ihrer eigenen Situation.
Wissenschaftliche Quellen
- Rocha-de-Lossada C, Sánchez-González JM, Rachwani-Anil R, et al. Could the percent tissue altered (PTA) index be considered as a unique factor in ectasia risk assessment? Int Ophthalmol. 2020;40(12):3285-3294. PMID 32720171.
- Peñarrocha-Oltra S, Soto-Peñaloza R, Alonso-Arroyo A, et al. Laser-based refractive surgery techniques to treat myopia in adults. An overview of systematic reviews and meta-analyses. Acta Ophthalmol. 2022;100(8):878-893. PMID 35535010.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Sprechstunde. Jede Situation ist besonders: Die Wahl eines refraktiv-chirurgischen Verfahrens wird gemeinsam mit Ihrem Augenarzt getroffen, nach einer auf Ihr Auge zugeschnittenen präoperativen Voruntersuchung.
Verfasst und geprüft von Dr Moïse Tourabaly, Augenarzt und refraktiver Chirurg — ehemaliger Chef de Clinique (CHNO des Quinze-Vingts).
Letzte Aktualisierung: 1. January 1970