Die Dioptrie: Begriff, Rezept und refraktive Chirurgie

Die Dioptrie ist die internationale Einheit, die die Stärke einer Linse oder eines Sehfehlers misst. Sie ist die Zahl, die auf Ihrem Brillenrezept steht – mit einem negativen Vorzeichen für die Kurzsichtigkeit, mit einem positiven für die Weitsichtigkeit. Zu verstehen, was eine Dioptrie darstellt, hilft dabei, das eigene Rezept zu lesen, das Ausmaß des eigenen Fehlers einzuschätzen und mit dem eigenen Augenarzt in Ruhe über die Möglichkeiten der Korrektur zu sprechen.

VERSTEHEN

Was ist eine Dioptrie?

Die Dioptrie ist die Maßeinheit für die Brechkraft einer Linse, sei es ein Brillenglas, eine Kontaktlinse oder die Augenlinse selbst. Man kennzeichnet sie mit dem Zeichen δ oder, auf Rezepten gebräuchlicher, mit dem Buchstaben D, der im deutschen Sprachraum als dpt geschrieben wird.

Physikalisch entspricht eine Dioptrie dem Kehrwert der in Metern ausgedrückten Brennweite. Eine Linse, deren Brennpunkt in einem Meter Entfernung liegt, besitzt eine Stärke von 1 Dioptrie; liegt dieser Brennpunkt bei 50 Zentimetern (0,5 m), so steigt die Stärke auf 2 Dioptrien. Je kürzer die Strecke, auf der die Linse das Licht bündelt, desto höher ihre Stärke in Dioptrien.

Auf das menschliche Auge angewandt, misst diese Einheit die Stärke der Korrektur, die nötig ist, um ein scharfes Bild genau auf die Netzhaut zu bringen. Der Augapfel ist selbst ein optisches System von etwa 60 Dioptrien, das die Hornhaut (etwa 43 δ) und die Augenlinse (etwa 17 δ) vereint. Die Ametropien – Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Astigmatismus – entstehen, wenn diese Gesamtstärke gegenüber der Länge der Augenachse leicht verschoben ist.

REZEPT

Wie liest man sein Rezept in Dioptrien?

Ein augenärztliches Rezept enthält mehrere Spalten, eine für jedes Auge (OD = rechtes Auge, OG = linkes Auge), und bis zu vier Größen, in Dioptrien oder in Grad ausgedrückt. Diese Zeilen entziffern zu können erspart jede Verwechslung beim Optiker.

Die Sphäre (S): die Hauptstärke

Die Sphäre, mit „S“ oder „SPH“ bezeichnet, ist die wichtigste Korrektur, jene, die die Kurzsichtigkeit oder die Weitsichtigkeit wiedergibt. Eine negative Zahl (−1,50 D) zeigt eine Kurzsichtigkeit an; eine positive Zahl (+2,00 D) eine Weitsichtigkeit. Die Sphäre kann auch null sein, wenn sich die Korrektur allein auf den Zylinder bezieht.

Der Zylinder (C) und die Achse: der astigmatische Anteil

Der Zylinder, mit „C“ oder „CYL“ bezeichnet, misst in Dioptrien die Stärke des Astigmatismus. Er kann negativ oder positiv sein, je nach der vom Augenarzt verwendeten Schreibweise (beide Angaben sind nach Umrechnung gleichwertig). Die Achse, in Grad von 0° bis 180° ausgedrückt, gibt die Ausrichtung des Hauptmeridians der Hornhaut an. Diese beiden Werte gehören stets zusammen: Ein Zylinder ohne Achse lässt sich in kein Glas schleifen.

Ein anschauliches Beispiel: Ein Rezept mit der Angabe OG: −2,50 / −1,25 × 170° bedeutet, dass das linke Auge um −2,50 Dioptrien kurzsichtig ist, mit einem Astigmatismus von −1,25 Dioptrien in der Achse 170°. Das ist die häufigste Korrektur des Astigmatismus: eine je nach Meridian leicht unterschiedliche Brechkraft.

Der Nahzusatz (Add): die Korrektur der Alterssichtigkeit

Der Nahzusatz, mit „Add“ oder „ADD“ bezeichnet, ist eine zusätzliche positive Stärke, die hinzugefügt wird, um den mit der Alterssichtigkeit verbundenen Verlust der Akkommodation auszugleichen. Er ist für beide Augen derselbe und wird in positiven Dioptrien ausgedrückt, in der Regel von +0,75 D bis +3,50 D. Ein Nahzusatz von +2,00 D etwa ist für einen Patienten von 55 bis 60 Jahren typisch. Er kommt allein für das Sehen in der Nähe zur bestehenden sphärischen Korrektur hinzu, daher die Gleitsichtgläser oder die Zweistärkengläser.

SEHFEHLER

Korrektionsbrillen und Gläser beim Optiker

Dioptrien und Sehfehler: Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Astigmatismus

Das Vorzeichen und der Wert in Dioptrien erlauben es, die Art der Ametropie zu erkennen und ihr Ausmaß einzuschätzen. Hier ist, was die Zahlen bei den häufigsten Fehlern ganz praktisch bedeuten.

Die Kurzsichtigkeit: negative Werte

Die Kurzsichtigkeit zeigt sich in einer negativen Sphäre: −0,50 D markiert den Anfang, −3,00 D eine mittlere Kurzsichtigkeit, und jenseits von −6,00 D spricht man von starker Kurzsichtigkeit. Das Bild eines entfernten Gegenstands entsteht vor der Netzhaut, was das Sehen in die Ferne unscharf macht. Das Korrektionsglas ist zerstreuend (in der Mitte dünner als am Rand), daher das negative Vorzeichen.

  • Geringe Kurzsichtigkeit: bis −3,00 D. Mäßige Beschwerden beim Fahren, an der Tafel, vor Schildern.
  • Mittlere Kurzsichtigkeit: von −3,00 D bis −6,00 D. Deutliche Unschärfe in der Ferne ohne Korrektur.
  • Starke Kurzsichtigkeit: jenseits von −6,00 D. Regelmäßige Überwachung der Netzhaut empfohlen, wegen eines erhöhten Risikos für Folgeschäden.

Die Weitsichtigkeit: positive Werte

Die Weitsichtigkeit ergibt eine positive Sphäre. Der Augapfel ist etwas zu kurz, und das Bild entsteht hinter der Netzhaut. Der junge Erwachsene gleicht das oft durch die Akkommodation aus (Zusammenziehen der Augenlinse), was den Fehler jahrelang verdecken kann, aber zu Sehermüdung und Kopfschmerzen führt. Eine Weitsichtigkeit von +1,00 D ist gering; jenseits von +3,00 D werden die Beschwerden deutlicher, insbesondere beim Lesen.

Der Astigmatismus: eine Frage des Zylinders

Der Astigmatismus liest sich nicht an der Sphäre ab, sondern am Zylinder. Er geht auf eine Hornhaut zurück, deren Krümmung nicht vollkommen kugelförmig, sondern leicht „oval“ ist (wie ein Rugbyball und nicht wie ein Fußball). Ein Astigmatismus von −0,75 D ist verbreitet und wenig störend; etwa ab −1,50 D wird das Sehen deutlich verschwommen, in der Ferne ebenso wie in der Nähe. Der Astigmatismus geht oft mit der Kurzsichtigkeit oder der Weitsichtigkeit einher.

DEUTUNG

Dioptrien und Sehschärfe: zwei verschiedene Messungen

Eine häufige Verwechslung besteht darin, die Zahl der Dioptrien mit der in Zehnteln ausgedrückten Sehschärfe gleichzusetzen. Diese beiden Größen messen verschiedene Wirklichkeiten und lassen sich nicht unmittelbar ineinander umrechnen.

Die Dioptrie misst die nötige Stärke der Korrektur, damit ein Auge scharf sieht. Sie ist eine sachliche Größe, mit dem Autorefraktometer oder durch die subjektive Refraktionsbestimmung gemessen.

Die Zehntel messen die korrigierte Sehschärfe, das heißt die Feinheit des Sehens, die mit einer passenden optischen Korrektur erreicht wird. Ein Patient mit −4,00 D kann mit seiner Brille 10/10 (Visus 1,0) sehen. Ein anderer, mit nur −1,00 D, erreicht wegen einer Amblyopie („schwachsichtiges Auge“) oder einer anderen Netzhauterkrankung womöglich nur 8/10 (Visus 0,8).

Zum Merken

Die Zahl der Dioptrien sagt die endgültige Sehschärfe nicht voraus. Zwei Menschen mit derselben Korrektur können sehr unterschiedlich sehen. Allein eine vollständige augenärztliche Untersuchung – einschließlich der Messung der Sehschärfe mit und ohne Korrektur – erlaubt es, die Sehqualität genau zu beurteilen.

CHIRURGIE

Messung der Refraktion zur Bestimmung der Korrektur in Dioptrien

Dioptrie und refraktive Chirurgie: behandelbare Bereiche und Wahl des Verfahrens

Die refraktive Chirurgie zielt darauf ab, die in Dioptrien gemessene Ametropie ganz oder teilweise zu berichtigen, um die Abhängigkeit von Brille und Kontaktlinsen zu verringern. Das gewählte Verfahren hängt von der Zahl der zu berichtigenden Dioptrien ab, von der Form der Hornhaut und von mehreren weiteren Kriterien, die bei der präoperativen Voruntersuchung beurteilt werden.

Die Laserverfahren: LASIK, PRK, SMILE

Die Excimer-Laser (LASIK, PRK/Trans-PRK) und das Lentikelverfahren (SMILE) formen die Hornhaut um, um ihre Krümmung und damit ihre Stärke in Dioptrien zu verändern. Der zugängliche Bereich hängt hauptsächlich von der verfügbaren Dicke der Hornhaut ab, denn jede berichtigte Dioptrie verbraucht eine bestimmte Menge an Hornhautgewebe. Ganz allgemein gilt:

  • Das LASIK und die PRK behandeln gewöhnlich Kurzsichtigkeiten bis −8 bis −10 D, Weitsichtigkeiten bis +4 bis +5 D und Astigmatismen bis ±5 D, sofern die Hornhaut dick genug ist.
  • Das SMILE zielt vor allem auf Kurzsichtigkeiten und auf Kurzsichtigkeiten mit Astigmatismus in ähnlichen Bereichen.
  • Diese Werte sind Anhaltspunkte: Die endgültige Entscheidung stützt sich stets auf die Hornhauttopographie und die Pachymetrie (Messung der Dicke), nicht allein auf die Dioptrien.

Die phake Linse (ICL) für starke Ametropien

Wenn die Korrektur die Grenzen des Lasers überschreitet – oder wenn die Hornhaut zu dünn ist, als dass der Abtrag durchführbar wäre –, wird häufig die phake Linse (ICL/IPCL) erwogen. Diese einsetzbare Linse wird im Inneren des Auges vor der natürlichen Augenlinse untergebracht. Sie kann Kurzsichtigkeiten bis −18 D und Weitsichtigkeiten bis etwa +10 D berichtigen, mit großer Genauigkeit selbst bei starken Fehlern.

Die goldene Regel: die präoperative Voruntersuchung bestimmt die Eignung

Es gibt keine allgemeingültige Schwelle in Dioptrien, die von selbst die Eignung für dieses oder jenes Verfahren begründen würde. Die Indikation wird stets von Fall zu Fall gestellt, bei einer vollständigen präoperativen Voruntersuchung mit Hornhauttopographie, Pachymetrie, Pupillometrie und Messung der Vorderkammer. Die Zahl der Dioptrien ist nur eine Größe unter anderen. Die Preise je nach Verfahren sind auf der Seite Preise der refraktiven Chirurgie im Einzelnen aufgeführt.

HÄUFIGE FRAGEN

Zum Weiterlesen

Häufige Fragen zu den Dioptrien

Wie viele Dioptrien braucht es, um kurzsichtig zu sein?

Von Kurzsichtigkeit spricht man, sobald eine negative Korrektur auftritt, und sei sie so gering wie −0,50 D. Es gibt keine amtliche Mindestschwelle: Ab einem negativen Wert der Sphäre auf dem Rezept gilt das Auge als kurzsichtig. Wie stark die Beschwerden im Alltag sind, hängt danach von der Zahl der Dioptrien und von der korrigierten Sehqualität ab.

−2 Dioptrien, ist das viel?

Eine Kurzsichtigkeit von −2,00 D gilt als gering bis mittel. Sie führt zu einer merklichen Unschärfe in der Ferne – Autofahren, Fernsehen, Tafel –, lässt aber ohne Korrektur ein gutes Sehen in der Nähe. Das ist ein verbreiteter Wert, der sich mit Brille, Kontaktlinsen oder, nach einer Voruntersuchung, mit refraktiver Chirurgie gut versorgen lässt.

Dioptrien und 10/10: wie hängen sie zusammen?

Gar nicht unmittelbar: Es sind zwei voneinander unabhängige Messungen. Die Dioptrie beziffert die nötige Stärke der Korrektur – das ist eine sachliche Größe der Refraktion. Die Zehntel messen die nach der Korrektur erreichte Sehschärfe – das ist eine Größe der Funktion. Man kann −6,00 D haben und mit seiner Brille 10/10 sehen, oder −1,00 D haben und wegen einer Amblyopie nur 7/10 (Visus 0,7) sehen.

Kann man eine Kurzsichtigkeit von −8 Dioptrien operieren?

Eine Kurzsichtigkeit von −8,00 D ist in vielen Fällen operabel, doch das Verfahren hängt von der Dicke der Hornhaut ab. Erlaubt die Hornhaut es, so können das LASIK oder die PRK erwogen werden. Ist sie für einen sicheren Abtrag zu dünn, wird oft die phake Linse (ICL) vorgezogen. Allein die präoperative Voruntersuchung erlaubt es, das zu entscheiden.

Was ist das sphärische Äquivalent?

Das sphärische Äquivalent (SÄ) ist ein zusammenfassender Wert, der die Sphäre und die Hälfte des Zylinders vereint: SÄ = Sphäre + (Zylinder ÷ 2). Es dient namentlich dazu, Korrekturen unterschiedlicher Art zu vergleichen oder das Ausmaß des Fehlers im Ganzen abzuschätzen. So ergibt ein Rezept von −2,00 / −1,00 × 90° ein SÄ von −2,50 D.

Verändern sich die Dioptrien mit dem Alter?

Die Kurzsichtigkeit neigt dazu, sich beim jungen Erwachsenen zu festigen, in der Regel um die 20 bis 25 Jahre. Die Alterssichtigkeit hingegen tritt um die 45 Jahre auf und fügt einen wachsenden positiven Nahzusatz hinzu (von +0,75 D bis etwa +3,50 D mit 65 Jahren). Andere Umstände können die Refraktion verändern: ein beginnender Grauer Star, ein Diabetes oder eine Schwangerschaft. Eine regelmäßige augenärztliche Kontrolle erlaubt es, die Korrektur diesen Veränderungen anzupassen.

Auf meinem Rezept steht eine negative Zahl: bin ich zwangsläufig kurzsichtig?

Eine negative Sphäre bedeutet in der Tat, dass Sie kurzsichtig sind: Das Bild entsteht vor der Netzhaut, und das zerstreuende Korrektionsglas gleicht diese Verschiebung aus. Eine positive Sphäre zeigt eine Weitsichtigkeit an. Der Zylinder, ob positiv oder negativ je nach Schreibweise, sagt allein etwas über den Astigmatismus aus und nichts über die Kurz- oder die Weitsichtigkeit.

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Quellen

  • Société Française d’Ophtalmologie (SFO) – Jahresbericht über die Ametropien und die optische Korrektur: Begriffe der Dioptrie, der Fehlsichtigkeiten und ihrer Versorgung.
  • Collège des Ophtalmologistes Universitaires de France (COUF) – Lehreinheit „Troubles de la réfraction“: Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Astigmatismus, Alterssichtigkeit und ihre Korrekturen.
  • Haute Autorité de Santé (HAS) – Empfehlungen zur refraktiven Laserchirurgie der Hornhaut und zu ihren klinischen Indikationen.
  • Atchison DA, Smith G. Optics of the Human Eye. Butterworth-Heinemann, 2000 – internationales akademisches Standardwerk zur Refraktion und zu den optischen Einheiten.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Sprechstunde. Allein eine augenärztliche Untersuchung erlaubt es, Ihre Korrektur in Dioptrien genau zu messen, eine auf Sie zugeschnittene Diagnose zu stellen und die für Ihre Lage geeigneten Möglichkeiten der Korrektur zu besprechen.

Brauchen Sie eine genaue Bestimmung Ihrer Korrektur?

Dr. Moïse Tourabaly, ehemaliger Chef de Clinique der Quinze-Vingts, misst Ihre Refraktion, deutet Ihr Rezept und berät Sie zu den am besten geeigneten Lösungen – Brille, Kontaktlinsen oder refraktive Chirurgie.

Verfasst und geprüft von Dr Moïse Tourabaly, Augenarzt und refraktiver Chirurg — ehemaliger Chef de Clinique (CHNO des Quinze-Vingts).

Letzte Aktualisierung: 1. January 1970

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