Sonnenbrille und UV: die Augen vor einem frühen Grauen Star schützen
Die richtige Sonnenbrille zu wählen ist nicht nur eine Frage der Optik. Der Zusammenhang zwischen Sonne und Grauem Star gehört zu den am besten belegten: Die über die Jahre aufsummierte UV-Belastung begünstigt einen frühen Grauen Star, das Pterygium und die Photokeratitis. Hier steht, woran Sie einen wirksamen Schutz in der Praxis erkennen und wer besonders davon profitiert.
DAS RISIKO VERSTEHEN
Warum schadet UV-Strahlung den Augen?
Die Sonnenstrahlung, die den Boden erreicht, enthält drei große Gruppen von Ultraviolett: UV-C (von der Ozonschicht vollständig gefiltert), UV-B und UV-A. Die beiden letzten erreichen die Erdoberfläche und treten mit dem Gewebe des Auges in Wechselwirkung.
| Art | Wellenlänge | Eindringtiefe | Betroffene Strukturen des Auges |
|---|---|---|---|
| UV-B | 280-315 nm | Hornhaut + Augenlinse (kaum Netzhaut) | Hornhaut (Photokeratitis, Pterygium), Augenlinse (kortikale Katarakt) |
| UV-A | 315-400 nm | Tiefer, bis zur Netzhaut | Augenlinse, Netzhaut (besonders bei jungen Menschen) |
| UV-C | 100-280 nm | Von der Atmosphäre gefiltert | Keine (außer bei künstlicher Bestrahlung) |
Drei betroffene Strukturen des Auges
- Hornhaut: akute Photokeratitis („Sonnenbrand der Hornhaut“), Pterygium, Pinguecula bei dauerhafter Belastung.
- Augenlinse: fortschreitende Eintrübung (Grauer Star), vor allem vom kortikalen und vom hinteren subkapsulären Typ.
- Netzhaut: umstrittene, aber plausible Beteiligung an der AMD und an bestimmten akuten photochemischen Schädigungen (etwa der Sonnenretinopathie nach einer Finsternis).

WISSENSCHAFTLICHE DATEN
Grauer Star und UV: was sagt die Wissenschaft?
Der Zusammenhang zwischen dauerhafter Sonnenbelastung und Grauem Star gehört zu den am besten belegten der augenheilkundlichen Epidemiologie. Eine in Acta Ophthalmologica veröffentlichte systematische Übersicht hat die verfügbaren Studien insgesamt ausgewertet und kam zu einem bedeutsamen Zusammenhang zwischen beruflicher Belastung durch Sonnen-UV und kortikaler Katarakt, besonders bei im Freien arbeitenden Menschen (Landwirte, Seeleute, Bauarbeiter) (Modenese & Gobba, Acta Ophthalmol, 2018).
Genauer:
- Die kortikale Katarakt ist die Form, die am deutlichsten mit UV zusammenhängt, mit einem erhöhten relativen Risiko bei stark belasteten Personen.
- Die hintere subkapsuläre Katarakt steht ebenfalls mit der aufsummierten UV-Belastung in Verbindung.
- Eine epidemiologische Übersicht hat bestätigt, dass UV einen von den anderen Einflussgrößen (Alter, Diabetes, Rauchen) unabhängigen Risikofaktor darstellt (McCarty & Taylor, Dev Ophthalmol, 2002).
WEITERE UV-BEDINGTE ERKRANKUNGEN
Nicht nur der Graue Star: drei weitere UV-bedingte Erkrankungen
Photokeratitis („Sonnenbrand der Hornhaut“)
Eine kurzzeitige Belastung durch starke UV-Strahlung (Schnee, Gebirge, spiegelndes Wasser, Schweißen) löst 6 bis 12 Stunden später eine schmerzhafte Entzündung der Hornhaut aus. Beschwerden: Sandkorngefühl, Tränen, ausgeprägte Lichtempfindlichkeit, vorübergehendes Nachlassen der Sehschärfe. Die Erholung erfolgt in der Regel von selbst innerhalb von 24 bis 48 Stunden, mit Gleitmitteln und Schonung der Augen.
Pterygium
Eine faserig-gefäßhaltige Wucherung der Bindehaut, die nach und nach auf die Hornhaut übergreift. Der Zusammenhang mit dauerhafter UV-Belastung ist seit Langem belegt, mit einer von australischen Studien dokumentierten Dosis-Wirkungs-Beziehung (Threlfall & English, Am J Ophthalmol, 1999). Die endgültige Behandlung ist bei funktioneller oder ästhetischer Beeinträchtigung chirurgisch.
AMD und blaues Licht
Die Beteiligung von UV und blauem Licht an der altersbedingten Makuladegeneration bleibt umstritten. Eine Metaanalyse hat gleichwohl einen mäßigen, aber bedeutsamen Zusammenhang zwischen aufsummierter Sonnenbelastung und dem Risiko einer frühen AMD gezeigt (Sui et al., Br J Ophthalmol, 2013). Der Sonnenschutz ist also auch auf der Seite der Netzhaut von Bedeutung.

DIE BRILLE WÄHLEN
Die richtige Sonnenbrille wählen: 4 Kriterien
1. CE-Norm und Schutzkategorie
Jedes in Europa verkaufte Erzeugnis muss die CE-Kennzeichnung tragen und eine Filterkategorie von 0 bis 4 angeben. Die Kategorie entspricht dem Anteil des gefilterten sichtbaren Lichts – nicht unmittelbar der UV-Strahlung, doch in der Praxis filtern normgerechte Hersteller ab Kategorie 2 ≥ 99 % der UV-A- und UV-B-Strahlung.
| CE-Kategorie | Filterung des sichtbaren Lichts | Anwendungsfall |
|---|---|---|
| 0 | 0-19 % | Nur zur Optik (innen, geringe Helligkeit) |
| 1 | 20-56 % | Bedeckter Himmel, früher Morgen und später Abend |
| 2 | 57-81 % | Mittlere Helligkeit (Frühjahr, Herbst) |
| 3 | 82-91 % | Sonniger Sommer, Strand, Stadt – die in Frankreich empfohlene Wahl |
| 4 | 92-97 % | Hochgebirge, Schnee, Segeln auf See – nicht zum Autofahren geeignet |
2. Kennzeichnung UV 400
Strenger als die CE-Norm allein, sichert die Kennzeichnung UV 400 zu, dass das Glas 100 % der Strahlung bis 400 nm filtert (also UV-A + UV-B + einen Teil des violetten Lichts). Grundsätzlich zu bevorzugen, besonders für Kinder und für Menschen, die viel im Freien sind.
3. Eng anliegende Form
Die beste Filterung nützt nichts, wenn das Licht seitlich vorbeikommt. Eine eng anliegende Fassung (ausgeprägte seitliche Wölbung, breite Bügel oder seitliche Einsätze) hält schräg einfallende UV-Strahlen und Streulicht ab. Besonders empfohlen am Strand, im Gebirge und für Menschen mit einem Pterygium in der Vorgeschichte.
4. Farbe der Gläser
Die Farbe des Glases beeinflusst den Komfort und die Farbwiedergabe, nicht die UV-Filterung (die von der Vergütung abhängt, nicht von der Tönung). In der Praxis:
- Grau: die naturgetreueste Farbwiedergabe, vielseitig
- Braun/bernsteinfarben: mehr Kontrast, angenehm beim Autofahren und auf dem Wasser
- Grün: guter Kompromiss beim Sehkomfort
- Blau/rosa: hübsch, aber mit Farbverfälschung (beim Autofahren zu meiden)

WER VORRANGIG GESCHÜTZT WERDEN SOLLTE
Besonders belastete Gruppen
- Kinder und Jugendliche: Eine junge Augenlinse lässt mehr UV zur Netzhaut durch. Ein großer Teil der lebenslang aufsummierten UV-Belastung fällt vor das 18. Lebensjahr.
- Tätigkeiten mit hoher Rückstrahlung: Schnee (Rückstrahlung ≈ 80 %), Meerwasser, heller Sand, heller Asphalt.
- Berufe im Freien: Landwirte, Seeleute, Baugewerbe, Gärtner, Sportlehrer.
- Lichtempfindlichkeit durch Medikamente: Tetrazykline, Ciclosporin, bestimmte Diuretika, Amiodaron.
- Pterygium in der Vorgeschichte oder früher Grauer Star in der Familie.
FAQ
Häufige Fragen
Sollte man auch im Winter eine Sonnenbrille tragen?
Ja, besonders im Gebirge (Rückstrahlung des Schnees, Höhe) und bei teilweise bewölktem Himmel (UV durchdringt Wolken zu 70 bis 80 %). Eine Kategorie 2 oder 3 bleibt das ganze Jahr über sinnvoll, beim Autofahren und bei längerem Aufenthalt im Freien.
Filtern günstige Brillen die UV-Strahlung wirklich?
Ja, sofern sie die CE-Kennzeichnung und idealerweise den Hinweis UV 400 tragen. Eine richtig gekennzeichnete Brille für 15 bis 20 € filtert UV ebenso gut wie ein Luxusmodell. Vorsicht dagegen bei nicht gekennzeichneten Modellen, die ohne Norm verkauft werden – sie können die Pupille weiten (Wirkung eines dunklen Visiers), ohne UV abzuhalten, und damit die Belastung der Netzhaut sogar verstärken.
Ab welchem Alter sollte man ein Kind schützen?
Ab dem ersten längeren Aufenthalt im Freien (Kinderwagen am Strand, erster Ausflug ins Gebirge). Die Augenlinse eines Kindes ist noch sehr durchsichtig und lässt mehr UV zur Netzhaut durch als die eines Erwachsenen. Bevorzugen Sie Brillen, die der kindlichen Kopfform angepasst sind, mit der Kennzeichnung UV 400 und Kategorie 3.
Schützen polarisierende Gläser besser vor UV?
Nicht mehr und nicht weniger. Die Polarisation ist ein Filter gegen Blendung, der waagerechte Spiegelungen ausschaltet (Wasser, Motorhaube, nasse Fahrbahn). Auf UV hat sie keine zusätzliche Wirkung. Mehr Komfort bei starker Helligkeit im Freien, ohne Einfluss auf das langfristige Risiko für die Augen.
Meine Kontaktlinsen filtern UV: brauche ich trotzdem eine Brille?
Ja. Kontaktlinsen mit UV-Filter (Klasse 1 oder 2) decken nur die mittlere Hornhaut ab. Sie schützen weder die Bindehaut (Pterygium) noch die Lider noch die seitlich freiliegende Sklera. Die Brille bleibt die maßgebliche Maßnahme; UV-Kontaktlinsen sind eine nützliche Ergänzung, kein Ersatz.
Sollte man nach einer Operation des Grauen Stars eine Brille tragen?
Ja, besonders in den ersten Wochen (erhöhte Lichtempfindlichkeit) und auch langfristig. Die meisten heutigen Intraokularlinsen enthalten einen UV-Filter, schützen aber nur den Bereich, in dem sie sitzen. Die übrigen Strukturen (Hornhaut, Bindehaut, Lider) profitieren vom Schutz durch die Brille.
Kann man eine Sonnenfinsternis mit einer sehr dunklen Sonnenbrille betrachten?
Niemals. Keine Sonnenbrille, auch nicht der Kategorie 4, schützt beim direkten Blick in die Sonne. Eine Belastung von wenigen Sekunden kann eine Sonnenretinopathie (Verbrennung der Makula) mit bleibender Schädigung hervorrufen. Nur nach ISO 12312-2 zertifizierte Brillen erlauben die Beobachtung einer Finsternis, und nur unter den vom Hersteller vorgesehenen Bedingungen.
NÄCHSTER SCHRITT
Zweifel am Zustand Ihrer Augenlinse?
Eine Sprechstunde in der Praxis erlaubt es, die Durchsichtigkeit Ihrer Augenlinsen (frühe Zeichen eines Grauen Stars) und den Zustand Ihrer Bindehaut (beginnendes Pterygium) zu beurteilen. Untersuchung ohne regelhafte Weitstellung der Pupille, Dauer 20 bis 30 Minuten.
Praxis Cachan — 1 ter rue Camille Desmoulins · Tel. +33 1 45 47 08 11
Wissenschaftliche Quellen
- Modenese A, Gobba F. Cataract frequency and subtypes involved in workers assessed for their solar radiation exposure: a systematic review. Acta Ophthalmologica. 2018. PMID: 29682903.
- McCarty CA, Taylor HR. A review of the epidemiologic evidence linking ultraviolet radiation and cataracts. Developments in Ophthalmology. 2002. PMID: 12061276.
- Threlfall TJ, English DR. Sun exposure and pterygium of the eye: a dose-response curve. American Journal of Ophthalmology. 1999. PMID: 10511020.
- Sui GY, Liu GC, Liu GY, et al. Is sunlight exposure a risk factor for age-related macular degeneration? A systematic review and meta-analysis. British Journal of Ophthalmology. 2013. PMID: 23143904.
- Yam JC, Kwok AK. Ultraviolet light and ocular diseases. International Ophthalmology. 2014. PMID: 23722672.
Zum Weiterlesen
- Operation des Grauen Stars – die Erkrankung und ihre Behandlung verstehen
- Dr. Tourabaly – Werdegang und technische Ausstattung
- Termin vereinbaren – Cachan oder Paris 13
Dieser Artikel dient der Information. Eine persönliche augenärztliche Beurteilung bleibt für jede Behandlungsentscheidung unerlässlich.
Verfasst und geprüft von Dr Moïse Tourabaly, Augenarzt und refraktiver Chirurg — ehemaliger Chef de Clinique (CHNO des Quinze-Vingts).
Letzte Aktualisierung: 1. January 1970